Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. April 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 4.IV.36.
Mein geliebtes Herz!
Es ist ein wahres Verhängnis mit dem Schreiben am Freitag! Gestern hatte ich bestimmt darauf gehofft und da kam unversehens eine ganz eilige Sache für die Frauenklinik. Zugleich stand eingeweichte Wäsche da, die unbedingt gewaschen werden mußte und abends hatte mich Frl. Seidel anläßlich ihres Geburtstages eingeladen - - so war der Tag hin und da es "zur Feier" Wein gab, den ich garnicht mehr gewöhnt bin, war ich zum Umfallen müde. - - Wovon soll ich auch berichten? Mein Dasein ist die Monotonie selbst. Meine Gedanken wandern zu Dir und fragen: wie steht es - wie wird es?? Das Semester hat begonnen und ich vermute beinah, daß es nun auch zu Ende geführt werden wird. Eine eventuelle Änderung tritt also wohl vor dem Juli nicht ein. Wenn die Wogen sich ebnen, dann denke ich mit Zuversicht an dieses Unternehmen, wenn die Wolken sich ballen, dann
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| macht es mir quälende Unruhe. Und wer will eine sichere Diagnose stellen?
Wie schön könnte es sein, wenn alles auf Wahrheit beruhte! Aber man ist zu wissend. - Schade daß der Frühling so schnell seine lieblichen Seiten verbraucht hat. Die Welt steht in voller Blüte, aber in Tränen. Wenn es einigermaßen wird, sollen wir noch einmal zu Häblers kommen, ehe sie einpacken, vermutlich am Karfreitag. Zu Ostern ginge ich auch gern nach Schönbrunn, aber ich vermute, da haben sie dort viel Besuch. - Ich denke so viel an unsre Reichenau - was sie uns ist, das tragen wir in uns, und doch faßt einen immer wieder die Sehnsucht. - - -
Wie habt ihr die Einrichtung im Hause jetzt getroffen? - Wie ist der Besuch der Vorlesungen? -
Dem Vorstand geht es ganz gut. Von Hermann höre ich nichts. Ich weiß nicht, ob das ein gutes Zeichen ist oder nicht. - Nun nimm viel innige Sonntagsgrüße, mein Einziger. Ich wollte, ich könnte Dich einmal wiedersehen.
<li. Rand> Grüße Susanne herzlich und laßt es Euch gut gehen! Deine Käthe.