Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Mai 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3. Mai 1936.
Mein geliebtes Herz!
Schon wieder einmal komme ich unpünktlich. Der "Tag der Freude" hatte mich verlockt, auszufliegen und abends mußte ich dann zum Vorstand. Irgend etwas Wichtiges mitzuteilen ist ja auch in der Tat nicht. Nur herzlich danken möchte ich für Deinen lieben Brief, aus [über der Zeile] dem mir die gewohnte Verbundenheit entgegen klingt.
Das Einerlei meiner Tage, das in Arbeit für die Frauenklinik und für den eigenen Bedarf besteht, wird demnächst durch Handwerker unterbrochen werden, die in meinem Wohnzimmer die Decke weißen und die Tapete - ausbessern werden. Ich werde mit dem Ausräumen viel Plage haben und es wird doch Flickwerk bleiben.
Am vorigen Dienstag war ich abends bei Familie Walz. Sie haben einen prächtigen Jungen von nunmehr einem Jahr und haben überhaupt nicht zu klagen. Trotzdem, da der Mensch ja nie zufrieden ist[über der Zeile] !, denken auch sie sich zu "verändern!" Diesmal scheint es wirklich Ernst zu werden. So weit wie bei anderen Leuten wird es vermutlich nicht gehen, vorläufig blieb es bei Andeutungen.
Wie steht es eigentlich mit der anderen Angelegenheit? Spricht man jetzt davon? Wird dazu eine behördliche Genehmigung erforderlich? - Mir ist es eigentlich noch immer nicht in seiner ganzen Tragweite zu fassen.
Ist es bei Euch auch immer noch so kalt? Nach den wundervollen Frühlingstagen vor Ostern empfindet man das jetzt doppelt unangenehm. Es ist eine Zeit der krassen Kontraste. Am Freitag ging ich mit Marga
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| Jannasch
von hier über Sprunghöhe, Blockhaus, Hohler Kästenbaum - es war streckenweise jammervoll. Du kannst es Dir garnicht zerstört genug denken. Das Bild vom Lärchengarten ist nur ein winziger Ausschnitt. Ganze Strecken stehen so mit abgebrochenen Kronen und dazwischen liegen noch die entwurzelten Stämme. An günstigeren Stellen ist nur der Boden bedeckt mit abgebrochenen Zweigen. Verhältnismäßig gut ist der gemischte Bestand und der Buchenwald davon gekommen. Die haben nur auf abschüssigem Boden gelitten, (wie im engen Mausbachtal.) - Den Rückweg nahmen wir auf der breiten Straße, denn alle Wege ins Tal waren unpassierbar. Auch hier mußten wir viel Stämme überklettern, aber wenigstens waren schon die Zweige davon entfernt, während die andern noch wild durcheinander lagen, wie sie gestürzt sind. Es ist bereits viel aufgeräumt, aber da liegt noch Arbeit für Jahr und Tag. Aber die Katastrophe ist vorbei und man kann sie zu überwinden trachten... Endlich am Wolfsbrunnen konnten wir hinunter und dort (beim Schluß der Festrede!) Mittag essen! -
Erinnerst Du Dich eigentlich an das Drama von Ibsen: Bund der Jugend? Es ist ja jugendlich unreif, aber manches verblüffende Blitzlicht typischer Psychologie.
Ich will diesen Zettel nur rasch noch zur Post bringen, damit er wenigstens morgen noch bei Dir ankommt. Übrigens wollte ich noch erzählen: ich habe mir einen Sommerhut gekauft und eine Wollbluse. Sonst dachte ich immer: es lohnt nicht mehr! Aber einiges ist eben doch notwendig. Und man kann doch nicht wissen, ob "was anderes losgeht."
Sei innig gegrüßt. Sage Susanne, ich hätte auch mehr zu tun als ich fertig bringe. Man darf die Hoffnung nicht verlieren!
Deine Käthe.