Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. Juni 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 5. Juni 1936.
Mein geliebtes Herz!
Am Dienstag früh kam, wie ich im Stillen hoffte , Deine liebe, reiche Sendung. Vorher war in der Tat soviel Unruhe hier, daß ich doch nicht zum Lesen gekommen wäre. Und wirst Du es verstehen, daß ich zu der mit Spannung erwarteten Drucksache, auch jetzt noch nicht die Stunde der Sammlung fand? Ich hebe sie mir zum Sonntag auf, den ich mir damit zum richtigen Feiertag machen will und an dem Bertha v. A. in Frankfurt sein wird. Ich war all die Zeit ja nie allein und außerdem hatte ich so schlechte Tage, daß ich mich nicht konzentrieren konnte. Ich habe nämlich von meinem Wirt die Kündigung für den 1. Okt. erhalten und wenn das auch keine ganz unerwartete Sache ist, so hat es mir doch recht zugesetzt, da ich ohnehin mit den Nerven sehr herunter war. Was soll nun werden? Ich möchte meine Unkosten bei der Veränderung einschränken, aber viel wird es kaum möglich sein. Und es wird sehr schwer sein, ein Unterkommen in gutem Hause zu finden. Der Gedanke daran war ja schon seit langem in mir, aber noch steht das alles dunkel und drohend vor mir.
Ich nehme Baldrian, um wieder schlafen zu lernen und ich bin eigentlich recht froh, daß Bertha hier ist, das lenkt doch ab. Auch für die Klinik habe ich zu zeichnen, und jeden Tag ist etwas andres vor, bald Besuch bei uns, bald wir wo anders. Wenn das Wetter sich bessert, denken wir in der nächsten Woche für einige Tage nach Schönbrunn zu gehen, beim Bauern Hilderhof kostet die Pension 3 M. Aber bei dieser Kälte ist das nichts; es regnet von früh bis spät, zu meiner Stimmung passend, aber nicht sie
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<Rest des Briefes fehlt>