Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Juni 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 25. Juni 1936.
Mein geliebtes Herz!
Meine Absicht, bald wieder zu schreiben, ließ sich nicht erfüllen, und nun zu Deinem Geburtstag komme ich auch mit leeren Händen! Umso voller ist das Herz mit Wünschen für Dein neu beginnendes Lebensjahr. Das kleine Büchlein ist ein Symbol für das, was ich in erster Linie wünsche: daß Du die innere Freiheit mehr gewinnst an einer freien, großen Aufgabe. - Du kennst ja den Aufsatz natürlich, besitzt ihn wahrscheinlich, aber mir war es gerade jetzt doppelt bedeutungsvoll. Es ist wohl manche Einzelheit, in der wir heute nicht mehr mitgehen können, aber dabei so viel echte, bleibende Wahrheit, die sich gerade an uns von neuem erweist. Möge deutsche Art die schweren Krisen überstehen, und daran, daß sie jetzt lernen muß, was nicht deutsch ist, erstarken.
Die ärgste Hitze scheint einmal wieder überstanden, und es weht eine leichte Kühlung. Ich werde daran aber nicht teilhaben, denn ich habe beschlossen, einen recht hartnäckigen Katarrh zunächst im Bett abzuwarten. Bertha v. A. ist bis Sonnabend noch im Krankenhaus, es geht ihr soweit ordentlich und es liegt nichts Ernstes vor. Aber ob nun durch Ansteckung oder nicht, ich bekam auch erhöhte Temperatur, war stockheiser und fühlte mich miserabel. So habe ich heute in der Klinik das Zeichnen für einige Tage unterbrochen und will mich auskurieren. Am 27. hoffe ich dann
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