Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2. Juli 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg, 2. Juli 1936.
Mein geliebtes Herz!
Heute soll nun aber endlich einmal wieder ein richtiger Sonntagsbrief kommen, wenn er auch noch nicht was besonders Gutes zu melden hat. Vor allem muß ich Dir sagen, wie sehr mir immer Deine lieben, verständnisvoll eingehenden Briefe wohltun. Denn ich bin in der Tat etwas trostbedürftig. Es ist doch ein ausgesuchtes Pech, daß ich gerade jetzt, wo die verschiedenen Kündigungen für den 1.10. stattfinden, nicht ausgehen kann. Ich habe annonciert, und mehrere Angebote bekommen und muß nun vielleicht zögern, bis das bereits fort ist. - Heute bin ich zum erstenmal auf, fühle mich aber noch ziemlich unsicher. Im Bett war ich entschieden selbstgewisser. - 2 Tage war Gertrud Kohler da, aber nun geht es wieder ohne Pflege. Frl. Dr. Clauß ist sehr eingehend und fürsorglich nach jeder Richtung und ich fühle mich ganz geborgen. Aber die Sache will ihre Zeit.
Du möchtest über die Vorgänge in Bezug auf die Kündigung Näheres hören; das ist eigentlich solch armseliges Zeug, daß ich nicht gern auch noch davon schreibe. Es klingt wohl schriftlich auch fast unglaublich, daß die eigentliche Ursache meine Bitte an den Hauswirt war, für die Möglichkeit einer geordneten Postbestellung zu sorgen. Er hatte das schon einmal ziemlich brüsk abgelehnt, als einzige Möglichkeit einen Kasten außen am
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| Hause bezeichnet. Jetzt wollte ich auf diesen Vorschlag zurückkommen, der mir erst nicht eingeleuchtet hatte, und da nahm er dieses Anliegen zum Grund für Kündigung. Der Mann hat in letzter Zeit schwere Schicksale und drückende Sorgen; man muß annehmen, daß er davon nervös überreizt ist. Sein Benehmen in der ganzen Sache wäre sonst unqualifizierbar. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß er von den Bewohnern im Parterre aufgehetzt ist. Ich vermute, daß man schon jemand für die Wohnung in Absicht hat. - -
Von den großen Festlichkeiten ist nur das Böllern des Feuerwerks, die Berichte von Rösel und Adele und einiges aus der Zeitung zu mir gedrungen. Gefreut hat mich der Ehrendoktor von Louvaris. - - Von dem Reden beim Empfang wurde mir besonders die des Schweizers gerühmt, der gesagt haben soll: die deutsche Wissenschaft werde in Zukunft hoffentlich ebenso Bedeutendes leisten, wie bisher. - Der festliche Eindruck der Talare, der Mangel an Uniformen u. dergl. wurde gerühmt, und der Abend mit den bunt beleuchteten Schiffen auf dem Neckar sei auch sehr hübsch gewesen. Es fehlte aber - der Gesang. Keine Studenten, keine Studentenlieder. - - - Schurmann sei deshalb auch nicht gekommen. - Das ist so ungefähr alles, was ich von der Welt weiß, außer den schwülen Berichten aus Genf.
Und draußen wechselt stündlich Sonnenschein mit starkem Gewittergüssen; viel anders ist die Stimmung nicht. Man rafft sich auf, und dann ists wieder vorbei. Du siehst, mein liebes Herz, es wird noch nichts Vernünftiges mit dem Schreiben. Drum ade für heut mit vielen, vielen lieben Grüßen. Dank und Grüße auch an Susanne.
Von Herzen
Deine Käthe.