Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. Juli 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 31. Juli 1936.
Mein geliebtes Herz!
Diesmal will ich aber pünktlich sein, denn sonst reißt die Unordnung ein! Zu erzählen habe ich freilich nicht viel, denn ich bin von einem grenzenlosen Stumpfsinn. Ich kann nur staunen, was Du fortwährend f vorhast, und im Stillen wünschen, Du möchtest nun doch endlich bald Ferien machen. Jetzt kommt dann erst noch die Reparatur bei Lubowski - und wie gehts mit dem Englischen?
Nach einer Äußerung von Hermann muß ich annehmen, daß Ihr vorhabt, Eure Schritte nach dem Schwarzwald zu lenken. Und ich hoffe doch, daß dabei auch ein Abstecher nach hier abfällt. Es ist doch allerlei von Interesse in Heidelberg, was ich gern hätte, daß Du es siehst. - Sehr gespannt bin ich auf die Eindrücke, von denen Deine liebe Karte meldet. Solche Stichworte geben der Phantasie neuen Spielraum. Auch ich habe Gelegenheit, mal die eine, mal die andre Beleuchtung zu sehen.
Also das Ehepaar Louvaris ist in Berlin! Vergiß doch ja nicht der Frau ganz besonders herzliche Grüße von mir zu sagen. Ich habe ihr nie geschrieben, aber gern an sie gedacht. -
Aenne Knaps geht es mäßig. Sie hat den Kummer, daß die ihr sehr liebe Schwägerin, die Du auch kennst, die Mutter von Elisabet, nun gestorben ist. Im August denken Mathys zu verreisen und da wir vermutlich
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| der Vorstand wieder zu den Verwandten nach Ludwigshafen gehen. - Nächste Woche kommen Kohlers zur Rösel in Behandlung für einige Tage. Das freut mich. - Sonst lebe ich sehr einförmig, freue mich, daß das Mikroskop eben Ruhe hat. Es war mir besonders anstrengend. Jetzt geht es wieder an eine Wandtafel.
Gestern war ich mit Marga Jannasch in der hiesigen Ausstellung: "Heidelberg - Vermächtnis und Aufgabe" - die sehr geschmackvoll ist. Von Anbeginn: dem Unterkiefer von Mauer bis heute, sehr vielseitig und künstlerisch.x [li. Rand] x z. B. die Sammlung von Boisserée's, die Goethe s. Z. auch sah. Sonntag werde ich mit Frl. Seidel den Weg gehen von der Gelatinefabrik nach Kleingemünd. Es ist das erstemal, daß ich wieder was unternehme.
Die häuslichen Dinge ordnen sich so allmählich, in meinem Kopf und auch außerhalb. Vor allem bin ich jedesmal wieder angenehm berührt, wenn ich mit meinen künftigen Wirtsleuten zu tun habe. Der Umzug soll 33 M kosten, dazu kommt dann noch der Packer. - Das Sopha muß aufgepolstert werden, ich lasse es zum Schlafen herrichten. Ich brauche einiges vom Schreiner und bei aller Vorsicht wird doch wohl eine ziemliche Summe draufgehen. Hoffentlich ist es dann der letzte Umzug. - Augenblicklich stecke ich drin, wie nach Tantchens Tode und ich gebe ja auch so viel von meinen Sachen her, daß es ist wie eine kleine Erbschaft!! Willst Du nicht auch etwas? z. B. den Ofenschirm mit den Fingerhüten?!! Der wandert vermutlich zum Trödler. -
Sei mir innig gegrüßt, mein Liebling. Ich sehne mich danach, Dich endlich zu sehen! - Grüße Susanne herzlich und laßt es Euch möglichst gut gehen.
Immer Deine Käthe.