Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, [29.] August 1936 (Heidelberg)


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darauf kommt es an. Und so wollen wir auch in der schweren Entscheidung, die Du getroffen hast und die dem zergliedernden Nachdenken so hart und drohend erscheint, das Vertrauen auf ihre Bestimmung zum Guten festhalten, wie Du sie von Anfang an dabei hattest. Belaste Dein Herz nicht mit schweren und dunklen Vorstellungen, blicke nicht zurück, als sei es ein Abschied für immer, sondern sage Dir, daß Du gehst, um bereichert wieder zu kommen!
Ja – Dein Herz, Dein liebes, treues Herz! Sind die Beklemmungen ausgeblieben? Ich hoffe es sehr. Mich finden die Leute erholt aussehend. Vor allem aber fühle ich mich wieder tatkräftig. Denn vorher war ich geradezu arbeitsscheu. Alles schob ich beiseite und mit nichts wurde ich fertig. Darum stand mir auch der Umzug wie eine Unmöglichkeit bevor. Jetzt ist das anders.
Heut war ich beim Vorstand, die mich mit einer lieben Karte willkommen geheißen hatte. Und morgen bin ich zu Mittag bei Adele, und nachmittags werde ich Aenne in die Ausstellung führen, was wohl hauptsächlich in einer Tasse Kaffee in dem entzückenden Garten des alten Patrizierhauses bestehen wird. Am nächsten Mittwoch geht Aenne nach Ludwigshafen. Eine Entscheidung über eine eventuelle dauernde Übersiedlung ist nicht gefallen, aber sie schwebt in der Luft.
Jetzt will ich den Brief noch fortbringen, damit er zum 31. bei Dir ist. An Susanne schreibe ich bald; grüße sie einstweilen herzlich.
In Liebe und treue, voll Andacht und Dank
Deine Käthe.

[li. Rand] Hier ist ganz herrliches, kühles und sonniges Wetter.