Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. September 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 4. September 1936.
Mein geliebtes Herz!
Heut ist schon eine Woche vergangen, seit wir uns in München getrennt haben. Sie war inhaltslos für mich, bis auf die liebe Drucksache, die mich am 31. von Dir grüßte. Es ist mir seltsam, wie sie gerade das ausspricht, was ich Dir von dem Eindruck Deiner Abhandlung über die "Wirklichkeit" in Partenkirchen sagte. Solch ernstes Forschen hat einen tief religiösen Grund und regt zur Lebensbesinnung überhaupt, zum Suchen nach letztem Halt und Sinn an. Es bleibt leer ohne die Andacht, ohne das Vertrauen auf die Lenkung Gottes. Und das alles in Bezug auf mich, auf uns beide, hat mich in Partenkirchen tief bewegt.
"In der Gewissheit, die kein Wissen ist, liegt die wahre, ethische Kraft" - und dies seltsame Ahnen, das mich oft unbegriffen und dunkel, oft mit unheimlicher Klarheit geleitete, das segne ich, denn es hat uns zum "Ewigen" geführt.
Und das Endliche spinnt sich inzwischen weiter. Wie mag es damit bei Euch stehen? Ist Dein Befinden wieder besser - ohne Herzattacken? Bei mir ist richtig am zweiten Tage ein fiebriger Katarrh ausgebrochen, den ich natürlich auf der Bahn aufgefangen hatte. Zum Glück beschränkte er sich auf einen tüchtigen Schnupfen, der aber jetzt im Abklingen ist. Ich hatte eine kindische Angst, es
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| könnte wieder solch Erstickungshusten werden.
Die photographische Ausbeute ist nicht groß. Einiges Landschaftliche kommt noch nach. Heute nur das "Figürliche". Muß die Mutter da in Krünn ausgerechnet den Arm ausstrecken!! Der Weg nach der Villa Orient war aber ganz günstig. Was aber sagst Du zum Wagenbrach? Da bin ich gestolpert und der Verschluß am Apparat hat sich ausgelöst. Wie schade um die hübsche Landschaft - und doch, ist es nicht nett, wie Du da vor mir her wandelst? Die ganze Situation wird lebendig, wie es immer unmöglicher wurde, und wie wir doch schließlich durchkamen!
Hier habe ich die verschiedenen Freunde wiedergesehen. Adele ist bedrückt, voller Sorgen. Aenne hat sich unter Tränen getrennt, um nach Ludwigshafen zu fahren. Rösel ist müde und hat immer das Haus voller Gäste. - Und ich muß jetzt noch einen Gratulationsbrief an Annchen Malcus schreiben, drum nimm vorlieb für heut. Entschuldige mich noch bei Susanne, ich schreibe ihr in Gedanken oft, aber es wird auch noch sichtbar. Grüße sie herzlich und sei Du selbst in Liebe gegrüßt von
Deiner
Käthe.