Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. September 1936 (Heidelberg)


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Heidelberg. 11. Sept. 1936.
Mein geliebtes Herz!
Wie sehr haben mich Eure beiden lieben Briefe heute morgen erfreut! Es tut gut, wenn man solch teilnehmendes Verständnis für seine Nöte findet, denn sie belasten doch, wenn man sich auch sagt: es ist unbedeutend gegenüber all dem Anderen, was auf uns liegt. Susannes Wunsch nach Dickfelligkeit hat sich aber bis zu einem gewissen Grade inzwischen wirklich bei mir erfüllt, und ich wickle meine Sache in Ruhe ab, seit ich weiß, das ich juristisch im Recht bin.
Der eingeschriebene Brief mit Eurem Testament ist sicher angelangt und ich habe ihn sofort in mein Safe getragen; in der festen Zuversicht, daß ich ihn in absehbarer Zeit uneröffnet in Deine Hände zurückgeben kann. Den gewünschten Umschlag werde ich ihm in den nächsten Tagen geben. - - Das Vertrauen, das mir daraus entgegen klingt, daß Ihr mir dies Dokument übergebt, fühle ich mit inniger Dankbarkeit. Wie ich ja überhaupt immer dankerfüllt bin, daß ich Dich - und daß ich Euch beide - habe!
An die Möglichkeit eines früheren Umzugs hatte ich eigentlich von vorn herein gedacht, aber es ließ sich nicht machen, da die bisherige Bewohnerin abwesend ist und der Verbleib der Möbel noch unentschieden war. Entweder sucht sie Wohnung oder die Sachen kommen auf einen Speicher. - Natürlich habe ich beim Auszug noch Chikanen zu erwarten. Aber ich will Deinem Rat und
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| Deinem Grundsatz folgen und lieber etwas mehr bezahlen, als unerquickliche Schererei haben. Im Schlafzimmer habe ich ein Fenster gesprungen übernommen, das wird mir sicher nicht geglaubt. und im Closet ist die Schüssel voller Sprünge, die sich nach u. nach von selbst gebildet haben. Der Wirt wollte sie vor Monaten erneuern, und ich gutmütiges Schaf sagte damals, wir wollten lieber noch über den Winter warten, wo die Sache so leicht einfriert. Nun muß ich sicher das Ding bezahlen! - Woher die Bösartigkeit kommt, ist mir nicht recht klar; d. h. der Mann ist wohl nervös und durch schwere Schicksale aus dem Gleichgewicht - aber die Frau ist dumm und böse, und wird ihn verhetzen.
Vor einigen Tagen kam unerwartet Angelika Weltz aus München, mit der ich nun mehrmals zusammen bin. (Du weißt doch: Mei W. ischt a Rindvieh!!) Ich habe sie sehr gern, obgleich wir in vielem nicht einer Meinung sind. - Von Ada Weinel hatte ich einen sehr netten Brief, aber voll Sorgen. Der Mann hat trotz der Kur in Salzschlirf keine Besserung und muß erneut zu einer Operation (Nierenstein) sich entschließen. So gehen immer mehr von der alten Garde - auf die eine oder andre Art - dahin. Umso wichtiger ist das, was Du von der Conservenbüchse schreibst! - Wir bekommt das Medikament gut und ich kann schon ziemlich häufig mit der Atmung zufrieden sein. Die Dosis ist sehr klein und ich höre bald damit wieder auf. Den Baldrian werde ich aber weiter nehmen, am liebsten in Tropfenform.
Nun muß ich leider noch allerlei erledigen, drum laß Dir und Susanne nur noch einmal herzlichen Dank sagen.
Ich grüße Dich innig!
Deine
Käthe.

[li. Rand] Am Sonnabend kommt Günther mit Braut, und fährt Sonntag vormittag weiter.
Der Sohn Georg von Adele, der Arzt in Mannheim, war ausgerechnet in Krünn und hatte auch Erfahrung mit dem Barmsee!!