Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. September 1936 (Rohrbach)


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Heidelberg. 30. Sept. 36.
Rohrbach
An der Markscheide 11 a
Mein innig geliebtes Herz!
Die ersten Zeilen im neuen Heim gehen doch natürlich zu Dir! Zudem kam vorhin Dein lieber Brief, der mir sagt, daß Du meiner gedenkst in meinen Umzugsnöten - wie ich trotz aller Geschäftigkeit doch im Herzen mehr von Deiner großen Reise bewegt bin, als von meiner Verpflanzung hierher. Es ist seltsam, mein Liebling, daß ich dies nicht schwerer nehme. Ich bin so im Gefühl davon, daß das Beste, daß alle lieben Erinnerungen mit mir gehen und im übrigen - was das Äußere angeht - begrüße ich den Tausch als eine Verbesserung. Vorläufig freilich ist es arg. Es ist ein Wunder, wenn man irgend etwas findet, was man braucht und 2 Tage waren sehr anstrengend. Aber immer kamen gute Freunde im rechten Moment und alles hat auch soweit geklappt.
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| Daß ihr schon am 10. von Berlin fortgeht! So haltet Ihr Euch doch länger unterwegs auf. - Aber Du kannst doch nicht sagen "keine Häuslichkeit mehr" - die wartet in der Fabeckstr. geduldig auf Euch. Und in Tokio werdet Ihr Euch sicherlich auch häuslich einrichten. Vergiß ja nicht, mir genau zu schreiben, wie man an Dich adressiert.
Die älteste Tochter von Frau Mathy - Frau Franz, hat mir heute den ganzen Vormittag tüchtig geholfen. Aber nun ich glücklich mit Sack und Pack drin bin, will ich mir mit dem Ordnen Zeit lassen. Es wird noch Wochen dauern. Vielleicht seid Ihr eher an Ort und Stelle ehe [über der Zeile] ich mit dem Kramen durchkomme. Schreibe mir doch ja Euer genaues Reiseprogramm mit allen Daten und Anlegestellen.
Und für heute nimm mit diesen dürftigen Zeilen vorlieb, ich verschreibe mich andauernd und bin sehr müde. Die Abwicklung mit Herrn Künkler ging sehr glatt und nun bin ich ihn los ohne weitere Unkosten. - - Bald schreibe ich wieder und dann einen Brief! Es gefällt mir so sehr gut hier und ich wollte nur, <li. Rand> ich könnte Dirs zeigen! - Grüße Susanne herzlich. Ihr beide habt ja noch viel mehr Mühe und Bedenken - ich habe alles Mitgefühl.
<li. Rand S. 1> Heute Nacht schlafe ich zum ersten mal auf dem neuen Sopha. Es ist wunderhübsch geworden. Gestern borgte mir Frau Dürre das Bett ihrer Tochter! - - Ich denke Deiner und wünsche Dir guten Mut. In inniger <Fuß> Liebe Deine Käthe