Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, [31. Dezember 1936] (Schönbrunn)


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neuen an. So z. B. Johanna Richter mit einem Momentbildchen der ganzen Familie und freundlichen Zeilen dazu.
Ob wohl mein Brief und Kalender zur rechten Zeit angekommen ist? Ich schickte am gleichen Tage ab wie du. Und nun möchte ich so gern wissen, wie Ihr die Weihnachtstage verlebtet? Vorher mußt Du ja noch eine sehr anstrengende Zeit gehabt haben. Wie ist das, muß da überall ein andrer Vortrag gehalten werden? Doch wohl kaum. – Wie mag es Dir mit dem Englisch ergehen? Es ist doch recht schwer in Übung zu kommen; aber Ihr hört es dort wohl recht viel.
Ein kleines Büchlein, das Adele mir schenkte, hat mir ganz besonders gefallen und ist mir jetzt vor dem persönlichen Erleben lieber Menschen in den Hintergrund getreten: Briefe an einen jungen Dichter von Rainer Maria Rilke. Da sind so viel feine, echt und tief gefühlte Dinge.
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Hierher habe ich Dein Welt – Überwelt und Heimat mitgenommen, das Otto Kohler so sehr gefiel. Überhaupt verstehe ich mich mit ihm so gut und so bedaure ich sehr, daß er fort mußte – ganz abgesehen von der schweren Sorge, die so unerwartet über ihn kam. Auch sonst wußte er wieder allerlei Ernstes, wie Du Dir denken kannst.
Im Nebenzimmer plaudert Gertrud K. mit einer Freundin und bald beginnt die letzte Stunde des Jahres, die wir mit einem Glühwein begießen wollen. Ich werde – wie immer in Gedanken und mit heißen Wünschen – bei Euch sein, die Ihr nun schon in das neue Jahr hinein schlaft. In der Rückschau gedenke ich voll Dankbarkeit all der schönen Tage in Partenkirchen, der lieben Briefe, die mir von allem berichten und fühle immer wieder neu das unverlierbare Glück unsrer Lebensverbundenheit. Gott mit Dir, mein Einziger. Und grüße auch Susanne herzlich.
Deine
Käthe.
[li. Rand] Ich freue mich sehr auf den Bälz, der ein so lebendiges Bild von Japan gibt. Überhaupt bringen unsre Zeitungen fortwährend kleine Artikel über Wohnweise etc.