Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. März 1937 (Tokyo/Deutsche Botschaft)


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Tokyo (German Embassy) 6.III.37.
(Was zwischen 15. u. 29. April eintrifft
nach Kyoto, Jap. Deutsches Kulturinstitut,
z. H. von Prof. Trautz)
Mein innig Geliebtes!
Dies wird nur ein Briefchen. Der vorläufig letzte von Dir ist vom 11. Februar. Die Post funktioniert ganz gut. Sie ist übrigens hier noch umfangreicher als in Deutschland. Die Arbeit in der letzten Zeit war wirklich etwas zu viel.
Ich habe also an Deinem Geburtstag durch den Rundfunk gesprochen (mit Tomoeda gemeinsam) u. dafür einen Samuraihelm erhalten. (Die Geschenke häufen sich) Am 26.II. war das sehr noble Festessen für 31 Personen im Imperial-Hôtel. Frau v. Dirksen nahm daran teil. Die Stimmung war ungewöhnlich gut. Das Ganze darf als sehr gelungen bezeichnet werden. Übrigens erhalte ich m. Bezüge hier sehr postnumerando. Das Februargehalt erst am 5.III.! Und man hat doch nichts mitgebracht! Am 27.II. figurierte ich bei dem Festessen eines 70jährigen Historikers Saito, mit Ansprache, die Donat übersetzte. Sonntag war frei. - Wir waren jetzt auch verschiedentlich in deutschen Familien eingeladen; nicht immer ertragreich und immer bis spät in die Nacht, im Gegensatz zu den Japanern, die um ½ 10 Schluß machen. Am 2.III hatten wir 9 Austauschstudenten eingeladen. Am 3.III. fand zum 2. Mal mein Seminar mit ca. 20 Teilnehmern statt, in der sehr gastfreundl. Kathol. Universität. Donnerstag war ein Föhntag. Wir waren abends bei dem liebenswürdigen jungen Attaché Grafen Mirbach mit dem Italien. Botschafter u. Grafen Kuroda v. Ausw. Amt. 2 japanische
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| Damen. Japanisches Saitenspiel und Gesang. Heut fahren wir in einen fernen Stadtteil, wo ich bei meinem Übersetzer Takeji Doi [über der Zeile] (Jps.) für 200 Mütter reden soll. Morgen sind wir bei dem Mediziner Exzellenz Irisawa, Ehrendoktor v. Heidelberg. Nächste Woche vom 11.-13 gehen wir nach Hakone in den Bergen, um - Sommerwohung zu suchen. Sonntag 14. geogr. Ausflug mit Schüler v. Litt (hier an d. Schule) u. 2 japan. Geographen. Das Programm wird immer dichter besetzt - leider.
Es war eine große Selbstüberwindung, daß Du zu G. Winter gegangen bist. Aber wir sollen den "Frieden" nehmen, wo er sich bietet. Für Dich würde ich es sehr beklagen, wenn Kohler versetzt würde. Denn daß er in der Nähe bliebe, ist kaum zu erwarten. An Frommherz u. Flesch habe ich gestern Karten geschickt. - Der, den Du getroffen hast, kann nicht Kolb gewesen sein. Wolfgang Franke fährt nun nach Shanghai aus. - Übrigens zu unsren Reisen: die Frau Bohner in Osaka ist Tochter v. Blumhardt, Bad Boll in Württemberg. Und am 26.II. war unter m. Gästen Fürst Urach, Graf v. Württemberg, der hier für den V.B. schreibt. - Donat ist Pankower. - Louvaris ist in Dtschld. mindestens gewesen u. grüßt aus Mittwochsgesellschaft bei Lietzmann.
Ich kann nur wenig nach Dtschld. schreiben. Susanne tut es nach Kräften, hat aber auch sehr viel zu tun. Über die Frau Balk, geb. Rubens, schrieb ich wohl schon. Und er hitlert riesig. Quid quod. - Die Witwe u. Tochter von Prof. Walter Müller (St. Gallen) haben geschrieben. Grüße doch den Steiger.
Dies ist also nur ein Zwischenbrief. Am 21.III. wird Klaus Morgner, Dresd. A. Tittmannstr. 5 eingesegnet. Ich grüße Dich innigst zu Ostern (das gibt es hier nicht) und denke an Ostern 1914 auf der Mainau.
<re. Rand> Wir haben eigentlich jetzt genug v. Tokyo, wo man Natur entbehrt. Am 17.III. kommt Kolb. Immer wieder taucht die Rede auf, ich bliebe 2 Jahre, was m. E. keinen Sinn hätte. Und das Reich kann schon 1 Jahr nicht bezahlen.
<li. Rand> Alles Gute v. Susanne, der es jetzt merklich besser geht.
Innigst Dein Eduard.

[] Sus. hat zum Puppenfest der Mädchen 3.III. Puppenaufbau (15 Puppen auf 7 Stufen) bekommen.