Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Juli 1937 (Hakone-machi)


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Hakone-machi, den 27. Juli 37.
Mein innig Geliebtes!
Nur ein paar Begleitworte zu den Bildern. Neues ist hier nicht vorgefallen; nur der West bringt uns trübe Kunde. Die Liste ist - auch im persönlichen - erschreckend. Stumpf †, Wiegand †, Deißmann †, General v. Haeften †, A. Hübner †, Admiral Behncke †, ErmanJastrow †, Erziehung †. Die geistigen Dinge wirken halszuschnürend.
Auf die katastrophalen Regengüsse, die erwähnt, folgte ein Taifun, dessen Ausläufer wieder Regen brachten, immer in einem Ausmaß, das in unsren Gegenden selten vorkommt. Heut früh war das 9. wiederum leichte Erdbeben. Den Fuji haben wir kaum 3 mal in 3 Wochen gesehen. Aber dies Hakone, ein Itznang, jedoch an einer großen Verkehrsstraße, könnte entzückend sein. Aber die Stimmung ist mehr herunter als seit Ankunft. Morgen muß ich nach Yokohama, um die deutsche Delegation mitzuempfangen. Ich komme noch einmal zurück. Vom 2.-7. August aber tobt der Kongreß - x Japaner [über der Zeile] Amerikaner gegen 10 Deutsche, wenn man es beim rechten Namen nennt.
Ich habe hier schon wieder 100 Seiten Redetext
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| geschrieben. Kotsuka übersetzt und angelt. Wir haben das Rudern des Wetters wegen ein paar Tage unterbrechen müssen. Unser Haus ist reizend still. Aber das Klima geht auf die Nerven.
Ist das Gürtelrose? Ist es nicht vielmahr eine Flechte, die man mit Jodbädern behandeln müßte? Aber würdest Du Jod äußerlich vertragen? Ich folge Deiner Reise, als ob nicht schon alles vorbei wäre, wenn Du die Zeichen meiner Nähe erhältst!
Ich habe hier im Kahn - allein - am Waldufer, zum ersten Mal erlebt, was es heißt: "Pan bläst die Flöte". Es ist ein Vogel. Und die Zikaden musizieren hier so, daß ich verstehe: "Fliegenbein und Mückenschwanz" im Orchester fortissimo! Es wird fast lästig. Affen sollen auch in den angrenzenden Wäldern wild leben. Man soll sie hören, aber nicht sehen.
Vielleicht hätte Schönwald ähnlich sein können. In Wahrheit habe ich objektiv nie eine solche stille Ferienwelt gehabt, wie einen so schönen Schreibtisch. Aber clash aus Osten und Westen klingt herein. Ich möchte buddhistischer Mönch werden.
Innigst Dein Eduard.

[] Die Feuchtigkeit ist märchenhaft, aber abends kühl, nur 25° innen.
[li. Rand] Was macht unser blinder Freund in - - Ursenheim? Ich merke, daß mir deutsche Namen ferner rücken!