Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. August 1937 (Hakone-machi, Postkarte)


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Hakone-machi, 22. Aug.37.
M. G!  Heut, an einem stürmischen Sonntag, an dem der Nebel über See u. Berge wild hinjagte, habe ich die Nachricht erhalten, daß Frau Witting am 4. August gestorben ist. Als ich 1931 nach Griechenland ging, nahm ich Abschied. Wie's 1936 war, weißt Du ja. Und doch: es ist ein schwerer Tag. Denn die Reihen lichten sich, und eben die Herzensplätze werden nicht wieder besetzt.
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Wer lehrt das Leben ertragen? Wer die Kunst, im Strudel der Zeit sicher zu stehen, das Herz nicht zurückzuziehen? Der Buddhismus geht von dem Satz aus "Life is suffering". Nun wollte ich in einem der schönsten Tempel v. Kamakura meinen höchst bewunderten Buddhismusforscher Suzuki besuchen. Aber: he is suffering von der Hitze. "Ihre Sorgen möcht' ich haben". Ich bin 7 Tage tätig im heißesten Tokyo gewesen. - Heut kam Deine liebe Karte beim Abschied v. Rügen. Du wirst inzwischen gelesen haben, welcher Nebel sonst über Hakone jagt, u. es ist nicht der einzige. - Die Gneisenau evakuiert Deutsche aus Shanghai. Ich habe versucht, Wolfgang Franke in Peiping brieflich zu erreichen. Wir würden ihn gern hier noch installieren. Frau Wittings Lebensspruch: "Es könnte alles so schön sein." So auch Hakone!
<li. Rand> Glücklich. daß es Inge besser geht, Dein Eduard.