Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. März 1937 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 30. März 1937.
Mein geliebtes Herz!
Es ist merkwürdig, wie schnell die Tage vergehen, obgleich sie doch eigentlich so inhaltslos sind! Aber eine große richtige Osterfreude hat mir Dein lieber Brief gebracht, der am Karfreitag ankam. Ich bin Dir so dankbar, daß Du immer trotz aller Arbeit Zeit für mich erübrigst. Schon das feierliche Institutskonzert war mir eine Freude. Und wie hübsch und eigenartig ist die Bildkarte vom Puppenspiel. Von dem Sinn dieser Spiele kann man sich freilich keine Vorstellung machen.
Daß Deine Gesellschaft nobel und hübsch verlief, freut mich. Hoffentlich kommt für solche Sachen, die doch mit zum Amt gehören, der nervus rerum künftig pünktlicher. - - Aus Pankow bekam ich dieser Tage meinen Taufschein zu Rentenzwecken. - - ja, ja, was kann von Pankow Gutes kommen! Oder hat er sich gemäßigt? -
Also am 2. April wird nun die Hochzeit von Mädi mit Willi Pramann sein. Bei der spärlichen Nachricht, die ich immer bekomme, weiß ich nur, daß er eine Atelierwohnung hat, in die sie zusammen ziehen werden. Daß sie dem Beruf nachgehen wird und er dem Zeichenlehrerexamen. Eigentlich ist mir alles, wie es sich mit Mädi gestaltet, schmerzlich. Erst die lange heimliche Verlobung, und nun eine Heirat so en passant. Allerdings wird bei Ruges eine kleine Feier sein, auch kommt Hermann dazu für 3 Tage von Stolp.
[2]
| Aber sie werden noch keine rechte Häuslichkeit haben; und wie unsicher ist die finanzielle Seite.
Gestern war ich bei Adele mit der Familie des Sohnes aus Hamburg zusammen; das ist auch Freude und Sorge zugleich für sie. Noch scheinen die Verhältnisse ja erträglich; daß sie doch für wenige Tage zu fünft herkommen können. Aber die Zukunft der Kinder ist doch sehr problematisch. Der Ältere mit schönen, ausdrucksvollen Augen hat die Rasse sehr sichtbar und leidet darunter. Der Kleine hat sie innerlich und nimmts nicht schwer. -
Am Ostersonntag war ich in der Nachbarschaft bei Kirchenrats v. Schöpffer eingeladen; hatte aber das Pech, am Abend vorher so wenig wohl zu sein, daß ich absagen mußte. Die alten Herrschaften kenne ich schon länger, hatte aber nicht auf Verkehr gerechnet. Er ist augenleidend, ein sehr feiner und unterrichteter Mann, mit dem ich gut über die Kirchenfrage reden kann. - Den Nachmittag war ich dann beim Vorstand, für die ich mit Elisabeth Vetter eine recht umständliche Korrespondenz hatte. - Von der Enttäuschung bei der Rundfunkübertragung schrieb ich ja schon. Nicht einmal Deinen Namen hat der Ansager richtig gelesen! Wie sind die Leute dann zu Deinem Text gekommen? Es war der Mühlacker-Sender. - Mein [über der Zeile] voriger Brief war noch nach Omori adressiert, da Du am 24. Fbr. schriebst, erst nach dem 1.IV. solle die Adresse Kyoto lauten. - Das dicke Harnack-Buch habe ich nun zu Ende; könnte es aber gern nochmal lesen. Dagegen ist mir in der Selbstdarstellung von Albert Schweitzer irgend etwas recht unsympathisch. Es klingt so durch: was bin ich für ein Kerl! Das überläßt man besser andern zu sagen. - In den Ostertagen habe ich mit der Schreibmaschine von Rösel, die verreist ist, : Welt, Überwelt und Heimat getippt, um es mehrmals verschenken zu können. Das war eine sehr liebe <li. Rand> Beschäftigung. Ich würde Dir gern noch manches aus der Heimat berichten - - wenn das Papier nicht zu Ende wäre. So schicke ich Dir lieber etwas zum Lachen. Hoffentlich bist Du dazu aufgelegt.
<li. Rand S. 1> Möge Euch die neue Umgebung wohltun und Ihr viel Schönes zu sehen bekommen. Ich grüße Euch herzlich. - Von Kath. Kleiser kam eine sehr hübsche Osterkarte mit Gruß und Dank auch an Dich. - Und ich grüße Dich im Sinne der Reichenau.
Deine Käthe.