Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. April 1937 (Jena)


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Jena. 13. April 1937.
Mein geliebtes Herz!
Nun bin ich schon 5 Tage hier und war recht fleißig. Es ist ja immer etwas Merkwürdiges mit solcher Arbeit ohne direkte Anschauung, eine Übersetzung der Photographie in ein farbiges Bild. Aber wenn es als ausreichend befunden wird, ist es ja immer gut.
Diesmal habe ich etwas mehr Eindruck von Jena, das ich vorm Jahr nur bei Nacht zu sehen bekam. Am Sonntag war ich auf dem "Landgrafen", wo die schönen, großen Anemonen (Küchenschellen) blühen und wo man einen feinen Überblick über das Tal hat - nach allen Seiten. Es ist täglich Sonnenschein, und die Knospen schwellen zusehends. Die Vegetation ist aber gegen Heidelberg sehr zurück.
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Ada Weinel habe ich besucht. Die Tochter steckt im Examen und wird sich anschließend verloben. Die andere Familie soll auch noch hier sein, und ich glaube in Deinem Sinne zu handeln wenn ich auch dort einen Besuch mache. Der Mann soll aufs neue Revision gefordert haben. Ich berichte Dir dann.
Mein Aufenthalt hier ist wieder sehr angenehm und die Damen im Hause versorgen mich sehr freundlich. Mit Herrn Professor komme ich nur in der Klinik zusammen, denn er ist fast nie zu Haus. Von Dir, mein Liebstes, kam gleich am ersten Morgen der liebe Brief vom 19./20. März mit dem hübschen Bild bei Irisawa. Wie groß sieht Susanne unter dem japanischen Püppchen aus! Und gestern kam die hübsche Karte vom Karfreitag. Den Auftrag an Adele richte ich gleich nach meiner Rückkehr aus. Sie wird hoffentlich was Geeignetes haben. Für alle Deine lieben Nachrichten tausend Dank und viele innige Grüße. - Hat Susanne gute Sommerwohnung gefunden? Grüße sie sehr herzlich. An den <li. Rand> alten Welte habe ich gratuliert. - Die Rundfunksache hier ist ja eine Frechheit. <li. Rand S. 1> Von wem mag das ausgegangen sein? -
Sei mir gegrüßt!
Deine Käthe.

[Fuß S. 1] Ich schicke nach Tokyo, denn die Zeit ist zu knapp für Kyoto.