Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Mai 1937 (Heidelberg)


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Heidelberg. 21. Mai 1937.
Mein geliebtes Herz!
Heut habe ich endlich die kleinen Schriftstücke von Adele bekommen, und ich hoffe, sie sollen auch jetzt noch ihren Zweck erfüllen. Dein Auftrag kam mir nach Jena nach, und seit meiner Rückkehr habe ich nicht aufgehört, leise zu bohren. Aber es ging nicht rascher. Ob Du bei Ankunft dieses Briefes noch in Tokyo sein wirst, ist wohl fraglich. Aber ich bekam keine andere Anweisung und muß daher die bisherige Anschrift über die deutsche Botschaft benutzen.
Von hier ist mal wieder garnichts zu erzählen. Alles geht den bisherigen Gang und man ist froh, wenn keine Ereignisse eintreten, die ja nun mal überall in der Luft liegen. Nach den ersten schönen Maitagen gibt es hier wieder täglich Gewitterdrohung. Aber es kommt nicht dazu, sondern es wechselt zwischen sengender Sonne und heftigem Sturm. - Im Hause bei mir ist alles verreist. Und trotz aller Mühe, die ich mir mit der zurückgebliebenen Katze gab, ist sie seit gestern verschwunden. Ärgerlich! Der kleine Vogel finkelt die Wohnung voll, ist aber sonst munter. - Gestern war überhaupt ein Pechtag. Außer
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| der Katze verschwand auch noch mein berühmtes Einkaufsnetz, als ich Besorgungen machte, und heut früh war die untere Garnitur, die Rösel schon längst erneuern wollte, definitiv kaput!! Schicksal. -
Der schöne Rundbrief, der mir von Susannes Schwester zu kam, hat mich ungemein gefreut und interessiert. Es ist nett zu beobachten, wie verschieden Eure Art zu berichten ist. Auch Susanne gibt ein lebendiges Bild; aber es ist weniger stimmungsmäßig gefärbt. Ich schicke den Brief auf Wunsch weiter, aber vorläufig möchte ich ihn noch anderen mitteilen.
Für heute nimm vorlieb, mein Liebstes, denn ich möchte in der Post vor 6 Uhr zum Einschreiben sein. Ich habe mich in dieser Woche, außer an den Pfingstagen der Reinigung meiner Wohnung hingegeben, denn es staubt hier leider viel mehr, als bei der Lage am Wald berechtigt ist. Sage Susanne Dank und Gruß und nimm selbst viel herzliche Grüße von
Deiner
Käthe.