Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7./9. Juli 1937 (Berlin W. 62)


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Berlin W. 62. 7. Juli 1937.
Mein geliebtes Herz!
Hier kommt nun also der erste Brief von der großen Reise! Seit Sonnabend bin ich hier und genieße die Faulheit in liebevoller Fürsorge. (Es ist wohl das erstemal, daß ich am Anhalter Bahnhof ankam, ohne daß Du mich empfingst!!) Aber Ruges waren diesmal beide gekommen und holten mich mit Sack und Pack im Auto ab. Von den Kindern ist keins zu Haus, und so wohne ich sehr bequem im Zimmer der Töchter und lasse mirs überhaupt gut gehen in ungewohnter Ruhe. Das Wetter war herrlich, warm und sonnig, wir sind viel auf dem Balkon und etwa am 15. geht es nach Rügen. Die Post hat bereits den Weg zu mir gefunden, also bin ich auch von dieser Seite beruhigt. Von Dir habe ich die 2 Drucksachen aus Matsuschima und 2 Karten aus H Miyajima, der letzte Brief war aus Osaka - so ist vermutlich alles pünktlich angekommen, und ich denke, das Nächste kommt von Korea. - Ob wohl irgend etwas von den Geburtstagsgrüßen rechtzeitig in Deine Hände gelangt ist? Daß die Zettelchen vom alten Virchow ankamen, freut mich herzlich. Am vorletzten Abend war Adele mit Wolfgang bei mir zum Abendessen, und er erzählte von seinen Berliner Eindrücken, sowie - sehr entzückt - von dem Jubiläum in Göttingen, wohin er sportlich abgeordnet war. Das muß wirklich noch studentisch-akademischen Charakter gehabt haben, wie ja überhaupt in seinen Kreisen die allgemeine Stimmung dem entspricht. Daß man hier im Hause anders eingestellt ist, wissen wir ja, aber man fällt sich gegenseitig nicht lästig.
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Gestern hatte ich ein nettes Zusammensein mit Dr. Liselotte H. und ihrer Mutter. Da habe ich mancherlei Neues gehört, was aber natürlich in der Richtung Deiner Erfahrungen aus der ersten Juniwoche liegt. - In Heidelberg habe ich alles geordnet hinterlassen, und nun macht mir die Behörde einen Strich durch meine Berechnung durch Aufhebung des Rentenbescheids. Die Rente ist nämlich erhöht worden! Ich aber hatte den nächsten Zettel meinem Wirt in Zahlung gegeben; nun stimmt die ganze Abrechnung nicht. Aber der Mann ist ehrlich und so lasse ich ihn eben das Geld einfach erheben und als Vorauszahlung behalten. Ich bekomme in Zukunft 31,20 M monatlich. [über der Zeile] und eine Nachzahlung. - - Die Neuralgie, (oder Gürtelrosenschmerzen was es nun sein mag), bin ich noch immer nicht los. Optalidon mildert zeitweise, aber beseitigt die Sache nicht. - Sind Deine Ohrenbeschwerden fortgeblieben? Ich hoffe für Dich auf diese "Verjüngung!" - Spätestens in diesen Tagen werdet Ihr nun doch endlich nach Hakone gehen. Wie sehr nötig wirst Du die Ferienruhe haben! Ich genieße es so sehr, denn ich möchte doch gern nun mal wieder zu normalen Kräften kommen. Vorläufig ist noch garkein Grundbestand da. - In Schönbrunn war ich vor meiner Abreise noch einmal. Die kleine Bärbel ist eine Miniaturausgabe, aber von entzückendem Reiz, ein kleines Menschenwunder! Auch in der Rohrbacher Nachbarschaft ist allerlei Neues eingetroffen; aber das sehe ich nur von ferne. - Ende Juli geht es nach dann nach Stolp. - Meine Schwester ist so lieb und sorglich, wie Du sie s. Z. in Kassel kennen lerntest. Für sie ist die Abwesenheit der Kinder auch eine Zeit des Ausruhens, denn sonst ist ihr Leben auch eine ständige Hetzjagd. Wir vertragen uns sehr gut. - Und nun grüße mir Susanne herzlich und nimm Du selbst auch Grüße von Aenne u. Carl. - Für diese 8 Tage habe ich noch ein <li. Rand> riesiges Programm. Wollen sehen, was daraus wird. Heut geht es endlich in "Die Tochter des Samurai") Viele, viele innige Grüße von
Deiner Käthe.