Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. Juli 1937 (Berlin)


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Berlin. 14. Juli 1937.
Mein geliebtes Herz!
Nun will ich doch versuchen, ob dieser Zettel noch für heute abend den Anschluß an die Sibirienpost erreicht. Die Woche ist garso schnell vergangen, obgleich eigentlich nicht viel vorgefallen ist. Aber ich möchte Dir doch erzählen, daß ich in Dahlem war, Frau H. und die jüngere Tochter sah und alles in guter Ordnung fand. Ich wurde sofort anerkannt, denn "das könne doch nicht leicht jemand wissen, daß Frl. H. aus H. usw. - - " Von der andern Tochter haben sie gute Nachricht; in Frage war nur die Kohlenangelegenheit, wegen des Wintervorrats. Aber da werdet Ihr ja inzwischen schon brfl. Anfrage gehabt haben. Auch auf dem Friedhof war ich und fand beide Gräber gut gehalten mit je 2 blühenden Begonien. -
Sonst waren eigentlich viel vergebliche Anläufe. Wir sind weder in Pankow gewesen, noch auf dem Flughafen und dem Sportfeld. Auch der Marienfriedhof soll erst heute noch besucht werden, ehe wir am Freitag nach Rügen abfahren. - Aber die Ruhe hier hat mir sehr gut getan und ich bin jetzt die Schmerzen endgültig los. In Dispute lasse ich mich nicht ein, auch wenn ich anderer Meinung bin; es hätte ja keinen Sinn unter den obwaltenden Verhältnissen, und da meine Verwandten
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| so lieb und fürsorglich mit mir sind, halte ich es mit der guten Erziehung, die Du ja da drüben so kennen lernst und bewahre höfliche Zurückhaltung. Das redet ja auch für sich selbst. Wie wird es sich nur jetzt bei Euch entwickeln? Hoffentlich trifft Euch dieser Brief längst in der Sommerfrische eingekehrt. Ich erhielt mit Freude hier Brief und Karte (Kyoko u. Keiyo) und danke Dir innig. Ich adressiere also nach wie vor: Deutsche Botschaft. Möge die Verbindung durch die Lage im Osten nicht gestört werden. - Hier ist es nach den ersten warmen Tagen kalt und regnerisch geworden, aber für meine Pläne ist das ja Nebensache. Ich habe die Schwester der verstorbenen Else Ziehlke besucht und war mit ihr am Grabe auf dem Sophienfriedhof. Die arme Else ist sehr elend an einem Darmleiden gestorben. - Von Ada Weinel bekam ich liebe Nachricht. Die Zukunftsaussichten von Tochter und Schwiegersohn in spe sind erneut recht ungewiß durch Gesamtschwierigkeiten der Fakultät. All diese Dinge spitzen sich immer mehr zu. Ich bin begierig, wie ich in diesen Fragen in Stolp die Stimmung finden werde, da ja das Ehepaar in verschiedenen Lagern steht. - Hier habe ich mich mit Mädi recht gut verständigt. Sehr gefreut hat es mich, daß sie erklärte, auch wenn der Gatte nicht dafür wäre, würde sie unbedingt ihre eventuellen Kinder taufen lassen. Augenblicklich ist er auf einer Studienreise. Ihre kleine Atelierwohnung ist aber relativ behaglich. - - Gunzerts, Elisabeth Vetter und andere sind verreist. Das ist recht bequem und trotzdem ist die Zeit im Umsehen verflogen. Zwischendurch habe ich auch ein bißchen gezeichnet für Carl, leider nicht so viel wie ich eigentlich wollte. - Ja, und "Die Tochter der Samurai" haben wir gesehen. Willst Du glauben, daß mich bei <li. Rand> den schönen Landschaftsaufnahmen eine wahre Sehnsucht erfaßte? Es war ja die Welt, die Dich jetzt umgibt. Ob Du das Trachtenbuch auch noch bekommen hast? Ich dachte, das könne gerade dort von Interesse sein.
<Kopf> Grüße Susanne herzlich. Von Rügen denke ich bald wieder zu schreiben. - Sei in Liebe gegrüßt von Deiner Käthe.
[re. Rand] Carl u. Aenne schließen sich meinen Grüßen an.