Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. September 1937 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28. Sept. 1937.
Mein geliebtes Herz!
Einen Versuch will ich doch machen, ob Dich dieser Zettel noch in Japan errreicht. Es ist eine merkwürdige Sache, daß nun dieses Schreiben in die weite Ferne ein Ende haben soll! Die Fahrpläne werden hoffentlich jetzt wieder inne gehalten und ich kann vom 18.X. an Euren Weg auf dem Atlas genau verfolgen. Allerdings die chinesischen Häfen wird man vielleicht vermeiden? Wie die Dinge dort stehen, wissen wir hier natürlich nicht genau, denn Berichte sind natürlich optimistisch gefärbt. - Auch ich habe Freundliches zu erzählen: ich war zwei Tage in Oberschönbrunn! Allerdings liegt auch darüber bereits Abschiedsstimmung, denn zum Frühling kommen Kohlers nach Ober-Dielbach am Katzenbuckel. Aus Rücksicht auf die schulpflichtigen Kinder hat er sich um diese Stelle beworben. Von dort ist 5 x täglich Verbindung mit Eberbach. Aber so ideal wie jetzt wird es wohl nicht dort sein, wenn sie auch überall ihr Eigenstes mitnehmen. - Es waren jetzt wieder ein paar wunderhübsche Tage. Zuerst allerdings war
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| allgemeine Sorge, denn die kleine Anne-Bärbel hatte ein wenig Fieber. Es war aber nur ein abklingender Schnupfen und gestern war sie wieder putzmunter. Sie ist ein Kind von beneidenswertem Temperament: immer freundlich und zufrieden, spielt geduldig mit den eigenen Händchen, hört und merkt auf alles im Zimmer, aber erhebt garkeine Ansprüche. Dabei hat sie ein reizendes, ständig wechselndes Mienenspiel, und wenn man sie beim Namen ruft, strahlt sie förmlich auf. - Wenn Dir meine Begeisterung ein wenig komisch scheint, mein Liebling, dann denke an das baby auf der Hinreise, das Dich so entzückte. Es ist etwas Wunderbares um dies noch so ganz unbewußtes Leben. -
Auch der Himmel war meinem Vorhaben gnädig und schenkte uns zwei wolkenlose Spätsommertage. Auch mit den Erwachsenen war das Zusammensein mir erfreulich und durch die Beständigkeit der Gesinnung wohltuend. Wir haben uns wieder völlig verstanden. - Inzwischen waren die feierlichen Begrüßungen in München und Berlin. Was mag der Imperator damit bezwecken? - Für die liebe Drucksache vom Abschied aus Hakone vielen Dank. Und nun kommt die Abreise überhaupt - es wird viel Gutes sein, was Ihr zurücklaßt. Aber denke an alle, die Dich hier vermißt haben, und mit Sehnsucht erwarten. Mit vielen innigen Grüßen wünsche ich: gute Heimreise!
Deine Käthe.