Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Oktober 1937 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10 9. Okt. 1937.
Mein geliebtes Herz!
Wenn alles nach Wunsch geht, dann erreicht Dich dieser Zettel am 4.XI., und 11 Tage später seid Ihr in Genua. Meine Gedanken kreisen beständig um diese Rückkehr, die Ihr in 9 Tagen antreten werdet. Hoffentlich stören die Kriegshandlungen Eure Reiseroute nicht. Von dem Leben auf solch großen Schiff erzählte mir Lili Scheibe sehr nett, die vom 18.9. - 1.10. mit "General von Steuben" im Mittelmeer unterwegs war und in Athen Frau Louvaris gesehen hat, von deren Liebenswürdigkeit sie sehr entzückt war. Lili ist so viel ausgeglichener und ruhiger, man wird nicht mehr durch ein scheinbar affektiertes Wesen über den wertvollen Kern getäuscht. Ihr Besuch - (sie schlief 2 Nächte in dem Kämmerchen von Friedel Dürre) war mir eine herzliche Freude, und wir haben uns in allem herrlich verstanden, wie in alter Zeit. Heidelberg präsentierte sich freilich nicht sonntäglich, sondern ziemlich trübe; dafür entschädigte aber klingendes Spiel, denn die Kasernen, die ich von meinem Fenster sehe, wurden von den Hundertzehnern nun bezogen in aller Feierlichkeit. - - Am Sonntag vorher hatten wir aber wundervolles Wetter, und das benutzte ich mit Frl. Seidel noch einmal für eine Tageswanderung.
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| Es war freilich nicht Außergewöhnliches, was wir unternahmen, dafür ging ich auf allen Wegen in Gedanken an frühere Wanderung dort mit Dir: über den Philosophenweg nach Ziegelhausen zum guten Mittagessen im Adler. Nach Tisch Ruhe im Bärenbachtal und dann unsern Weg über die Felsenhütte nach Kleingemünd. Dort Einkehr am Ufer im Schwanen. Es war wirklich reizend und wie im Sommer. - Auch in Oberschönbrunn hatte ich es 8 Tage vorher glänzend getroffen; alle sind wohl und munter, und nun ist auch die Versetzung heraus: nach Ober-Dielbach. Ein wenig weiter ist die Fahrt für uns dorthin, aber für sie ist der Verkehr mit Eberbach viel günstiger für die beiden Mädels und die Gehaltslage ist etwas besser. -
Hier lebe ich mit den bekannten Beziehungen still dahin; viel bin ich bei Adele, die leider garnicht wohl ist. Auch beim Vorstand mache ich oft Besuch, wenn auch nie genug nach ihrer Meinung. - Noch etwas über 5 Wochen, - so um den Buß- und Bettag! - da werde ich hoffentlich lieben Besuch haben. Möge der "Gott des Ganges und der weiten Botschaft" Eure Reise beschützen. Hoffentlich ruht Ihr Euch bei dieser langen Fahrt von den Strapazen des letzten Jahres. Solche Schiffsreise kann doch eine Erholungszeit sein. Grüße Susanne herzlich und danke ihr für das Heft von Mattuzaka , das sie an mich adressierte. Und Dir, mein Lieb, vielen Dank für die liebe Karte aus Nikko. Ich habe mir alle Bilder von dort zusammen gesucht und was Bälz davon schreibt.
<li. Rand>
Und nun sage ich: auf Wiedersehen! Das ist wundervoll!
Deine Käthe.