Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. März 1938 (Berlin)


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Sonntag, 27.III.38.
Mein innig Geliebtes!
Gestern habe ich 12, heute 22 Quartseiten für den Akademievortrag mit höchster Konzentration geschrieben. Kopf und Hand sind müde. Aber es ist allerhand mitzuteilen, und ich beginne mit herzlichem Dank für Deine lieben Zeilen.
Statt Tante Eulalia hatte ich 4 junge Leute im Wagen, die bald durch ihre vorzügliche Haltung als Offiziere zu erkennen waren, aber auch durch ihren schweren Ernst auffielen. Die Fahrt verlief normal, und als ich Susanne wiedersah, war ich sprachlos vor Freude, was bis gestern angehalten hat, heut aber schon besser ist. Die Post war maßvoll. Gleich am Freitag Nachm. ging ich zu Lubowski. Der Backzahn kam mit Nachhilfe in 2 Teilen heraus; vom Eckzahn blieb die Wurzel drin, da die ganze Gegend entzündet war und also nicht nachgegraben werden konnte. Abends
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| war der 2stündige Vortrag eines 76jährigen Generals über Napoleon und die Frauen noch schlimmer als Zahnziehen.
Gestern Nachm. besuchte ich den Rechtsanwalt, durch den der eigentümliche Fall von Beleidigung an mich herangekommen ist. Das wird Dir nun auch Beschäftigung verschaffen. Der betreffende OberKriegsgerichtsrat ist nämlich ein Herr Hoffmann, der im Krantzprozeß Oberstaatsanwalt war. Dies erklärt gleich vieles. Ich habe Dir damals (wenn ich nicht irre Ende Februar 1928?) sicher briefliche Berichte geschickt, in denen auch der Oberstaatsanwalt berührt worden ist. Damals schrieb man ja noch offen. Wenn es nicht zu viel Mühe macht, suche diese Briefe doch heraus und schicke sie mir in 8-10 Tagen. Im übrigen hoffe ich vom Kammergerichtspräsidenten a. D. beraten zu werden.
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Heut war Frau Böhm (Hannover) da und dann Wenke (ganz interessant). Wir haben Temperatursturz und richtiges Aprilwetter, sind aber doch gestern u. heut fast 2 Stunden gegangen, weil wir das beide für unsre Gesundheit brauchen. -
Wir wollen dankbar sein für die ungetrübten, im alten ewigen Sinne schönen Tage. Ganz von selbst hat es sich so eingestellt, daß man sich nicht allzuviel kleine Dinge erzählt. Es wäre schade um die Zeit, die tieferer Gemeinsamkeit gelten soll, und wäre es auch - auf japanisch - einem wohligen Schweigen. Ich danke Dir für diese Stunden voll reicher Liebe und Freundschaft. Niemand kann uns das nehmen - nichts kann uns soviel geben.
Auch zu Hause leuchtet alles in schönster Blüte. Das Uzen brauche ich zum Leben. Der Vetter Gutsbesitzer aus dem Oderbruch war auch da u. brachte viel Rhythmus mit sich.
Möge nun auch das Zeichnen endlich in <re. Rand> Gang kommen. Ich bin müde u. muß wohl Schluß machen. Es kommt eine harte Arbeitszeit.
Innigst Dein Eduard mit Grüßen von Susanne.