Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. Juli 1938 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
31.VII.38. spät.
Mein innig Geliebtes!
- Immer, wenn ich etwas ausarbeite, ist Kopf und Hand am Briefschreiben gehindert. Es war mancher Ansatz da, oft auch aus innerster Not. Aber tausend naheliegende Gründe erklären, weshalb nichts geschrieben wurde. Du siehst ja auch schon an der Handschrift, daß es heut nicht mehr viel werden wird. Vermutlich bist Du von Kohlers zurück - ob erholt? ich hoffe es in dem Rahmen des Möglichen. Ich habe im Juli wohl gegen 250 Quartseiten geschrieben. Aber nichts von Belang ist reif geworden. Auch dies aus unzähligen Gründen. Nun geht es nicht mehr. Wir wollen am 6. August früh abfahren und am 7. auf der Durchreise - nach Sils Maria? - in Zürich bei Zollingers sein. Man erwägt natürlich immer ganz andere Möglichkeiten. Unser Ferienkind von der tschechischen
[2]
| Grenze, das seit 5 Wochen 2 Tagen da ist, wird nicht abtransportiert. Weshalb nicht? Wir kommen in Verlegenheit. Bis zum 5.VIII. müssen wir hier bleiben, weil Kotsuka noch einmal kommt. Aber Erholung ist um so mehr nötig, als von der seelischen Seite und dem Allgemeinen her auch Dein befreiender Hauch kommt.
Einzelheiten mündlich. Die Besuche, besonders von Ausländern, dauern Tag für Tag an: Japaner, Rumänen, Serben, Griechen. Heut waren wir bei Seitz, der die Damen v. Glasenapp besucht. Gestern Frl. Marquardt aus Tokyo, kurz vorher in der Japanisch-Deutschen Gesellschaft, wo auch die neue Botschafterin Generalin Ott war. Internationaler Kongreß für Berufserziehung, nur persönlich ausstrahlend im üblich diagnostischen Sinne.
Aber es geht nicht mehr, obwohl ich heut kaum 7 Stunden eigentlich gearbeitet habe. Nur noch dies: Am 21.7. habe im Ausländerkursus sehr starken Erfolg gehabt. Und
[3]
| die armen Schinzingers in Kobe sind bei den Überschwemmungen Anfang Juli gerade noch mit dem nackten Leben davongekommen. Wir hatten also bei ähnlichen Ereignissen in Hakone Glück.
<ohne Schluss! - s. Karte vom 1. August: "Einen Brief habe ich gestern angefangen, aber wegen Müdigkeit noch nicht zu Ende geführt.">