Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. August 1938 (Berlin)


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4. August 1938.
Mein innig Geliebtes!
Vielen Dank für Deine beiden lieben Briefe. An Prof. Bolza habe ich das Gewünschte geschickt.
Gestern haben wir hier das schlimmste Gewitter gehabt, auf das ich mich (für Berlin) besinnen kann. Der Hagel prasselte von Nordosten wie ein Steinregen auf das Haus. Die Blätter der Linden, die ein wenig schützten, liegen heut wie Anfang Herbst, aber grün auf der Straße. Daß nur 2 Fenster zerbrochen wurden, ist ein Wunder. Schlimmer ist die Beschädigung des Daches, die zu baldiger Reparatur nötigt, und wir wollen doch fort.
Am 6.8. fahren wir 9.28 und sind 23.32. in Zürich. Dort bleiben wir Sonntag, um Zollingers zu besuchen und - anzupumpen. Denn die Banken sind geschlossen. Dann etwa 3
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| Tage Bergün, dann Sils Maria; beides noch ohne feststehende Adresse. Kurzrock hat gestern Herz und Blutdruck normal gefunden; Gefäße besser als dem Alter entspricht. Er meinte aber, daß man unter Umständen schlecht schliefe u. die Erholung darunter litte. Wie lange wir in der Schweiz bleiben, hängt von Umständen ab, die nicht im voraus zu übersehen sind; auch von meinen Pestalozzigeschäften. Einen Tag werden wir wohl nach Konstanz gehen, wegen Reichenau und Kreuzlingen. Als Treffpunkt Ende August käme u.a. Freudenstadt in Betracht, obwohl es noch zur prohibited zone gehört.
Viel schreiben kann ich heut nicht mehr, da vor der Reise reiner Tisch gemacht werden muß.
Abends.
Exc. Seitz, Frau v. Glasenapp u. Tochter waren 3 Stunden bei uns u. es hat ihnen wie uns recht gut gefallen. Trotzdem bin ich mittendrin zusammengeklappt, worin ich Dir - <re. Rand> "leider" für Dich und mich - kongenial bin.
Es muß also geschlossen werden mit innigstem Gruß.
Dein E.