Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. September 1938 (Berlin)


[1]
|
9.9.38.
Diese Nacht war besser. Wohl eine Wirkung des Sympatol, das ich nehme. Du hast ganz recht: es müßte ätherischer Baldrian sein, und ich hatte schon vor Empfang Deines lieben Briefes einen uralten Rest davon herausgesucht. Auch sonst hast Du mit Deinen Vorschlägen recht; aber ich hoffe doch, nicht so oft zu nachtwandeln, daß ich mir dafür einen Anzug machen lassen muß.
Es freut mich, daß Du überall liebe Aufnahme fandest, und sogar etwas Heizung. Auch ich habe das durchgesetzt. Wir haben wieder ein wenig Sonne.
Gestern habe ich meinen 2. Luftschutzkursus begonnen. Der Mann macht es geradezu amüsant. Aber man fragt sich, ob die Sache an sich selbst nicht sehr viel ernster ist und was dies Geplauder im Grunde leistet.
Sonst komme ich immer noch nicht mit meiner Tätigkeit in Gang,
[2]
| obwohl vielerlei drängt. Es drängt allerdings nur mich. Denn daß wir zu einem regulären Semester kommen, glaube ich nicht.
Franke ist mit heftiger Magenverstimmung aus der Schweiz am gleichen Tage heimgekehrt wie wir. So werden wir ihn leider morgen nicht bei der Wiederaufnahme der üblich gewordenen Spaziergänge sehen.
Die Drucksache, dich ich Dir schicke, ist von den Exemplaren, die nach vielen Reklamationen endlich eingetroffen sind. Unter den allgemeinen Vorträgen, die ich in Japan gehalten habe, scheint mir dieser letzte (9.10.37.) auch der beste.
Ich danke sehr für Deinen lieben Brief und wünsche von Herzen, daß die Erholung nun auch eine Weile anhält.
Innigst
Dein
Eduard.