Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. November 1938 (Berlin, Postkarte)


10.12.38.  M. L! Ein besonderer Anlaß ist schuld, daß diese Karte vor dem längst fälligen Brief kommt. Wir haben heute früh ½ 9 eine Rundfunkaufnahme für das Deutschland-Echo gemacht. "Gespräch über das jap.-deutsche Kulturabkommen." (10 Min.) Es ist zwar ziemlicher Kips, aber vielleicht kannst Du es zufällig hören. Wenn es heut Abend schon kommt, hat es keinen Zweck, Dich zu benachrichtigen; aber wenn morgen (wie ich höre entweder 19 oder 22 Uhr?) kannst Du es vielleicht hören. - Bei dieser Gelegenheit ein paar weitere
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| Nachrichten. Kleine u. große Verdrießlichkeiten fehlen nicht. Aber der direkte Universitätsbetrieb steht in Blüte. Gestern z. B. habe ich ein Seminar gehalten - "ich selbst könnte es nicht besser machen." - Vorigen Sonnabend hatten wir wieder jap. Tee in unsrem Hause, wobei Frau Araki im Kimono sehr reizvoll erschien. Am Sonntag war ein Nervenarzt aus Dresden da. Dazwischen kommen - immer häufiger - Stöhner, u. man macht ehrlich mit. Montag habe ich vor 400 Leuten wieder einen Japanvortrag (mit mäßigen Lichtbildern - gehalten. Mittwoch war Mittwochsgesellschaft. - Es ist gut, daß ich keine Hoffnungen auf eine Weihnachtsreise gefaßt u. genährt habe. Die Verfügung lautet: bis 23.XII lesen u. am 3.I wieder anfangen. Das ist praktisch undurchführbar. Ein Min. Erlaß ist veröffentlicht, daß aus der Verweigerung, wie aus der Übernahme v. Rel.-Unt. den Betreffenden kein Nachteil erwachsen dürfe. - Etwas sehr Trauriges im Hause Thiele: Seine Frau ist kurz nach der Geburt des 2. Kindes mit 37 Jahren gestorben. Nun ist der Arme, mir Gleichaltrige, mit 2 kleinen Kindern allein. - Heute machen wir (ich muß einmal an die Luft) mit Frankes schon ab 11 Uhr einen Spaziergang. Morgen ist eigentlich Japanisches Theater; aber Susanne wird, wie meist, allein hingehen. Die serb. Jugendpsych. ist erschienen, der holländ. Aufsatz auch (keine Freiexemplare.) Den Kalender bekommst Du natürlich. <re. Rand> L. Lampert ist ja unglaublich. Sie soll jetzt hier auf Schwanenwerder sein. <Kopf> Lenchen Biermann heute Verlobungsanzeige. | Marcks †. <li. Rand> Ich hoffe, daß es Dir gut geht. Wir beide grüßen Dich herzlich. Dein Eduard.
[re. Rand S. 1] 8 Luftschutzabende gottlob zu Ende.