Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Dezember 1938 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
Berlin, 23.12.38
Wenn wir Bilanz ziehen, was ich zu Weihnachten (eher tue als zu Sylvester), so haben die beiden letzten Monate Ereignisse gebracht, die mir schlimmer scheinen, als wenn ich im Mai 1933 hätte bis zu Ende gehen müssen. Es gibt davon keine Erholung.
[2]
|
Das Zusammengespanntsein mit einem absolut kleinlichen Todfeinde stellt mich immer wieder vor die Frage, ob ich mir nicht etwas anders suchen muß und soll. Ich kann zu keinem Assistenten kommen. Der Streitfall, der ein solcher natürlich erst durch Bäumler wurde, beschäftigt alle möglichen Stellen bis zum Ministerium.
[3]
|
Am Sonnabend war ich bei scharfer Kälte und großen Reiseunzuträglichkeiten in Dessau. Litt und ich waren ganz einig. Aber von der Zukunftsperspektive redet niemand mehr.
[4]
|
Wir haben noch Diem über japanischen Sport gehört und waren zum Empfang bei dem neuen Botschafter .....
[5]
|
Am 5.1. beginne ich wieder zu lesen. Bis dahin wird sich ja auch die Katastrophe der Akademie entschieden haben.
[6]
|
Auch ein Brief von Wolfgang Franke kam heute. Sie wollen in Peking meine japanischen Vorträge übersetzen, was nicht ganz ohne Bedenken ist und nicht ohne Mühe: denn alle Beziehungen auf Japan müssen natürlich heraus. Erscheinungsort: Die Welt mit Ausnahme Deutschlands. Denn die serbische Jugendpsychologie ist auch da, und die spanische Zeitschrift beginnt mit meinem Artikel über die Geisteswissenschaften. .......
[8]
|
Viel zitiert .... werden jetzt Worte von Goethe über das Dämonische im Anschluß an Egmont. (Dichtung und Wahrheit, Schluß).