Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. Januar 1938 (Jena)


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Jena. 14. Januar 1938.
Mein geliebtes Herz!
Jetzt bin ich doch wahrhaftig schon über eine Woche hier und genau kann ich das Ende der Arbeit noch nicht absehen. Ich schätze, daß ich Montag oder Dienstag reisen kann. Bisher ging alles glänzend; morgen werde ich mal Gelegenheit haben, mein Objekt in natura zu sehen. - Deine liebe Karte und Susannes lieber Brief erfreuten mich beide sehr. Ich hoffe, daß inzwischen die Erneuerung und Umwandlung im Hause überstanden ist, und nach Wunsch ausfiel. Und vor allem hoffe ich, daß mit dem milden Wetter Dein Katarrh verging. Ich begreife ja eigentlich nicht, wodurch Du Dich in Potsdam erkälten konntest, aber vielleicht steckte es schon in Dir. Es tut mir so leid, daß dieser Ausflug statt einer Erholung Dir eine Schädigung gebracht haben soll! - Ob die Besprechung, die Du vorhattest, den gewünschten Eindruck gemacht hat? - Hier habe ich alles wie gewohnt vorgefunden. Man reist doch eigentlich nur, um zu sehen, "daß überall die Menschen sich gequält" - und die "Glücklichen"
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| im Sinne der Kurfürstenstraße sieht man doch mit heimlicher Besorgnis. - Bei Leisegangs wurde ich sehr freundlich aufgenommen und über die Sache, die Du mir auftrugst, war er orientiert. Seine Situation ist insofern gebessert, als er die verkürzte Gehaltszahlung auf zehn Jahre bewilligt bekam. Er will nun aber versuchen, sich von diesem Gnadengeschenk womöglich durch eigne Arbeit unabhängig zu machen und noch einmal ein Studium beginnen, das ihm einen praktischen Beruf eröffnen kann. Ich glaube, er nannte Theoretische Physik. Man war ernst, aber nicht deprimiert. - Bei Weinels schwebt zwischen Mutter und Tochter die Frage: soll Katharina noch den Dr. machen? Mutter ist aus Traditionsgründen dafür, die Tochter wünscht sich häuslich für die Ehe vorzubereiten. Auch die Kosten fallen ins Gewicht und das Mädchen möchte lieber dafür eine Kücheneinrichtung. Ich glaube, die praktische Seite wird siegen, aber erst wars recht kritisch. - Und hier im Hause - für mich wird aufs aufmerksamste gesorgt. Den Hausherrn sieht man fast nie, er hat sogar meist seine Essensstunden zu andern Zeiten, als wir übrigen. In der Klinik ist er immer sehr höflich und selbst mit der Kritik, die ich ja doch nur wünsche, sehr zurückhaltend. Im ganzen fühle ich mich wohl, nur habe ich schon länger einen dauernden Schmerz im Hinterkopf, von dem ich nicht weiß, obs rheumatisch <li. Rand> ist. Wenn ich erst wieder in Heidelberg bin, werde ich mal Frl. Dr. Clauß heimsuchen.
<li. Rand S. 1> Dir, mein lieber Liebling, einen herzlichen Sonntagsgruß, und viele gute Wünsche für Dein Befinden. Und an Susanne sage viele Grüße und vorläufig Dank für ihren Brief. (Von Felizitas kam ein nettes Briefchen.)
Deine Käthe.