Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Februar 1938 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 8.II.38.
Mein geliebtes Herz!
Es war eine sehr große, unvermutete Freude, von Dir einen Brief zu bekommen, aber die Nachrichten waren allerdings so, wie ich gefürchtet hatte. Schon bei meinem Aufenthalt in Berlin fing ich an, mir Sorge zu machen und Deine lieben Briefe bestätigen mir leider, daß Du eine verschleppte Erkältung nicht auskurierst. Es ist eben keine Zeit dazu! Aber noch viel weniger scheint es mir Zeit, von meinen Kopfschmerzen zu reden. Es sind nur kleine Leiden, aber sie hindern im täglichen Dasein und man meint, sie müßten leicht abzuschütteln sein. Es gibt ja genug, was man nicht abschütteln kann. Aber davon redet man nicht. Aber es ist schön, daß es eine Zone des Verstehens ohne Worte gibt! Doch was ist es mit dem Rundfunk? Man sagt mir, es sei im Radio verkündet worden, Du würdest Vorträge in Prag halten. Das ist doch wohl ein Missverständnis?
Sorgen im Freundeskreis habe ich auch. Siehe beifolgenden Brief. Ich möchte Dich bitten, die Adresse beizufügen und ihn weiterzuschicken. Nur im Notfall, wenn Du es für ganz ungeeignet hältst, dann halte ihn zurück. Ich habe hier den Eindruck, daß der Mann durch die Entwicklung der Dinge hier immer mehr zur Verzweiflung getrieben wird und daß seine Nerven nicht mehr standhalten. Es weiß niemand von meinem Brief, aber ich dachte, es wäre eben auf alle Fälle eine Wohltat, wenn an Dr. D. eine Nachricht käme, anstelle dieses Wartens ins Unbestimmte. Du weißt doch, wie das erregt. Wie ich mit
[2]
| Dr. G. immer stand, kann ich mir eine solche Einmischung schon erlauben. Lies, bitte, und entscheide. Es handelt sich nicht um eine Bitte zur Vermittlung dabei, sondern nur um irgend eine Beantwortung und momentane Beruhigung.
Daß ich ohne Not so auf der Rückreise fortgescheucht wurde, schrieb ich wohl schon. Aber ich habe ich es nicht allzu sehr bedauert, denn ich sehnte mich nach Ruhe. Freilich vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht in der Stadt wäre. Da muß der Vorstand besucht werden, die neue Brille besorgt sein, ein Nachmittag gehört Adele, einer Frl. Weber, einer mit dem Vorstand bei Frl. Schupp und so geht die Leier weiter. Ich habe alle Freunde so nach und nach wiedergesehen und wir haben uns allerseits in gutem Einvernehmen befunden. Beim Vorstand mit Reserve, wie Du weißt. - Die Zeitung lese ich auch mit Aufmerksamkeit, d. h. mit Nachdenken. Man kann auch in unserm Stadtblättchen sich orientieren, und durch Austausch mit andern sich sachlich unterrichten. - Wann die Hochzeit von Lili Ruge sein wird, ist noch nicht bekannt. Auch Katharina Weinel wartet auf seine Ernennung. Ich möchte solch lieben jungen Leuten eine recht baldige Erfüllung ihrer Wünsche wünschen, denn was kann man wissen. - Heut abend gehe ich in eine kirchliche Versammlung; ich will den Brief mitnehmen und darum für heute Schluß. - Tue etwas zur Bekämpfung des Hustens, ich bitte Dich herzlich. - Wie geht es Frl. Wingeleit? - -
Mit vielen innigen Grüßen und Wünschen
Deine
Käthe.