Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. April 1938 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. April 1938.
Mein geliebtes Herz!
Wie sehr hast Du mich durch Deine lieben Zeilen heute erfreut! Es ist so doppelt schön, wenn eine Nachricht von Dir kommt noch ehe ichs erwarte! Und ich bin Dir doch noch den Dank schuldig für die feine Drucksache mit der lieben Widmung. Das klang alles so zusammen mit der Erinnerung der jüngst verlebten Tage und das [über der Zeile] unser Bild vom Rheinufer liegt in den Blättern!! Der Sonderdruck kam am Morgen, als Walther da war und ich habe ihn gleich in Sicherheit gebracht, damit er nicht in seine Hände fiel. Dann kamen 3 Tage, an denen ich bis spät abends keine Stunde für mich hatte, und so mußte ich mich lange gedulden, ehe ich die Schrift, die mich schon durch die Worte auf dem Umschlag in tiefer Seele berührte, wirklich in gesammelter Stille lesen konnte. Ganz besonders fesselt mich da nun die Anknüpfung an Hegel. Was in der Form philosophischer Probleme leicht gekünstelt erscheint, ist im Grunde doch tiefste Lebenserfahrung, und klingt in der Dichtung mit unmittelbarer Überzeugungskraft. Aber auch Hegel hat in der Einleitung in die Rel. Phil. so ergreifende Worte gefunden, daß es mich damals tief bewegte. Hermann las es mir s. Z. in Bonn vor, damals als Du noch Hegel ablehntest, weil er Dir nur ein Schema des Lebens zu geben schien. - - -
Daß Du den schlechten Zahn nun endlich wirklich los
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| bist, ist nur gut. Du wirst sehen, wenn das jetzt verheilt ist, dann wirkt es günstig auf das Gesamtbefinden. Aber Ihr habt auch ein garzu bewegtes Leben. - Ich freue mich, daß der Kollegbesuch zu Deiner Zufriedenheit einsetzt. Sehr gespannt bin ich, wie Du die Sache mit dem Oberkriegsgerichtsrat einleiten kannst. Was hat der Rechtsanwalt, der Dir berichtete, sich eigentlich gedacht? Es wäre doch nötig, daß er seine Behauptung klar und fest formulierte, sonst fehlt doch wohl eine sichere Basis für ein Vorgehen.
Gestern habe ich mir eine Tasche gekauft, groß und praktisch, heuchelt gutes Leder, ist aber "Werkstoff" für 6 M. Und nun werde ich noch an einen Regenmantel glauben müssen für die Übergangszeit. Denn das braune Kostüm, das in Bamberg neu war (28), ist über dem Knie einfach aufgeplatzt! - -
Rösel Hecht hat ihre Schwester Cläre zu Besuch, ebenfalls von einer Grippe kaum genesen. Ich wollte die beiden bereden, mich zu besuchen und malte ihnen den Rückweg durch die Blüten am Bergeshang lockend aus.: "man endigt dann im Friedhof" worauf die zwei in ein schallendes Gelächter ausbrachen und erklärten, so eilig hätten sie das noch nicht. Übrigens vereitelte das schlechte Wetter den Besuch überhaupt.
Die Karten vom Cranz-Prozeß hast Du wohl bekommen? Lege sie bitte zu den Sachen, die mir gelegentlich geschickt werden. Ich habe natürlich den ganzen Jahrgang weiter gelesen - es war kein gutes Jahr, viel Schwierigkeiten, vor allem Frau Riehl. Was haben wir doch alles erleben müssen! Und doch konnten uns all diese Irrungen nicht zweifeln lassen am wahren Sinn des Lebens.-
Mit diesem kurzen Sonntagsgruß schickt Dir viel liebevolle Gedanken
Deine Käthe.

[li. Rand ] Nächstesmal schreibe ich an Susanne, heut nur viele Grüße!
[li. Rand S. 1] Die Märznummer der Erziehung war am 5. April noch nicht eingetroffen. Den Sonderdruck von Nippon wollen sie nicht käuflich abgeben, aber das Heft, das Du mir noch schicktest, widme ich Frl. Dr. Clauß. - Ich bekomme aber das Heft mit Deinem Aufsatz