Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Mai 1938 (Heidelberg)


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Heidelberg 13.V.38.
Mein geliebtes Herz!
Während ich auf Adele und Hanna warte, die noch auf einem Spaziergang sind, möchte ich Dir wenigstens auf diesem gestohlenen und beklextenx [li. Rand] x <eingekreister Tintenfleck> Bogen einen Sonntagsgruß schicken. Ein Brief folgt. - Heut nachmittag war ich beim Vorstand, die grundsätzlich findet, daß ich "sehr lange" nicht bei ihr war, und hatte dann noch Besorgungen in der Stadt. Jetzt sitze ich auf dem herrlichen Balkon in der Albert-Überle-Str. und freue mich an der sanften Abendbeleuchtung über Stadt und Bergen. - Die Handschrift (mit Buch auf dem Knie als Unterlage) würde sicher auch zu merkwürdigen Schlüssen Veranlassung geben. Mein Lieber Du, es ist so rührend gut von Dir, daß Du mir trotz Deiner großen Müdigkeit so liebe ausführliche Briefe schreibst. Aber Du weißt ja, wie sie mit Sehnsucht erwartet werden und wie dankbar ich sie empfinde. Lebe ich doch "von Brief zu Brief"! - - Wie äußert sich eigentlich das Unzulängliche Deines Herzens? Kannst Du nicht vielleicht durch etwas eingeschränktes Rauchen
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| bessernd einwirken?
Endlich haben wir jetzt wärmeres Wetter, Tag für Tag schönsten Sonnenschein. Aber nachdem anfangs die Vegetation um 14 Tage voraus war, ist sie jetzt um 14 Tage gegen sonst zurück.
Jetzt sind aber die andern nach Haus gekommen und ich kann nicht mehr weiter schreiben. Nimm daher mit dem guten Willen vorlieb und sei viel - vielmals gegrüßt und bedankt von
Deiner
Käthe.