Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7./8. Juli 1938 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7. Juli 1938.
Mein einzig geliebtes Herz!
Nun habe ich schon zwei liebe Briefe von Dir und Du hörtest keine Antwort darauf! Aber ich weiß, daß Du fühlst, wie meine Gedanken unablässig mit dem beschäftigt sind, was Du mir darin - mehr andeutest, als schreibst. Ich verstehe es gut und sehne mich nach einer ungestörten Aussprache. Es wäre schön, wenn Ihr auf der Hinreise wenigstens einen Tag unterbrechen könntet, sodaß man sich doch in großen Umrissen verständigen könnte. Vorläufig weiß ich nur das zu sagen: es ist ganz dringend ratsam, sich durch keine Herausforderung aus der vornehmen Reserve herauslocken zu lassen. Denn es ist doch solch Prinzip, den Gegner auf eine Ebene zu bringen, auf der der bessere Mensch den Kürzeren zieht.
Daß Dir die kleine Skizze von Ravensburg Lebendiges wieder nahe brachte, war mir eine tiefinnerliche Freude. Ich fand das Blättchen ganz zufällig und ich mußte - (s. Herriegel) denken: es fand sich gerade, als ich das Päckchen machen wollte. Schon öfter war es mir zufällig begegnet, aber nun wußte ich: es wollte zu Dir! Ja, die Gralsburg fanden wir damals, und noch heute sind wir auf dem zeitlosen Wege dorthin miteinander. Nicht immer ist die innere Gewißheit gleich stark, aber immer wieder müssen wir von neuem darum ringen. Denn was wäre das Leben sonst? -

- 8. Juli. Gestern begann ich diesen Brief auf einem stillen Plätzchen im Garten, aber die Ruhe war mir nicht gegönnt, denn die Schnaken fielen über mich her. Heut war ein
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| entsetzlich schwüler Tag, der in ein verzetteltes Gewitter ausklang. Für mich stand er unter dem Zeichen des Einkochens von Johannisbeergelee. Du weißt, der ist meine Spezialität. Jetzt möchte ich aber, wenn ich auch die Abendpost versäumt habe, diese Zeilen doch gern noch in den Kasten bringen, daß sie morgen früh um 6 fortgehen und Dich zum Sonntag grüßen. Ja - etwas Dickfelligkeit sollte man sich doch angewöhnen können! Aber wie? Und immer wieder gibt man sich törichten Hoffnungen hin, daß die Tiefe des Wellentals nun erreicht sei und dergl.! Aber der Verstand weiß es doch besser und da hilft es nichts, man muß weiter stillhalten. Daß Unzeitgemäßes von Bedeutung immer noch seinen Widerhall findet, hast Du ja erfahren. Wenn es Dich jetzt drängt zu irgendeiner Klärung, so wird es sicher nichts Lebensfernes sein. - Es würde mich freuen, wenn Du mir die Schrift von L. schicken willst. Vielleicht zusammen mit Bälz? Sehr gespannt bin ich auf den Eindruck des Wiedersehens mit Kotsuka. Hoffentlich ists eine Freude. - Der Erfolg von Wenke ist ein wohlverdienter. Aber sein Fortgehen ist mir leid. - Und haben Käte S. u. Fei etwas Sicheres? Es sollte mich sehr freuen.
Bekannte von Adele aus Straßburg konnten nirgends eine Sommerfrische finden. - Sie selbst schlug vor, mit Wolfgang und mir heut für den ganzen Tag von Neckarsteinach über den weißen Stein zurück zu wandern!! Ich lehnte aber ab, das wäre mir zu weit und zu heiß; außerdem hatte ich ja dringend zu tun. Nun bin ich begierig, ob die beiden das gemacht haben; am Nachmittag zog ja das Gewitter auf. Übrigens, wenn ich einen Höhenweg machen will, dann fahre ich lieber zum Ansatzpunkt rauf und wandere dann. Aber stell Dir vor: <Ort unleserlich> - Ruhstein - Münchel - Langer Kirschbaum - Weißer Stein - u.s.w. - das ist mehr als 5 Stunden! Ich hoffe, Adele war vernünftig und hats aufgegeben. - - Doch nun ade, ade für heut. Ich grüße Dich innig und bin mit meinen liebenden Gedanken bei Dir.
Deine Käthe.

[li. Rand] An Susanne schreibe ich bald mal selbst. Grüße sie vielmals.