Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Juli 1938 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22.VII.38.
Mein geliebtes Herz!
Dieser Zettel wird keine 12 Pfennige wert sein, aber ich möchte Dir doch einen Sonntagsgruß schicken, ehe ich für ein paar Tage nach Dielbach fahre. Eigentlich wollte ich ja heute schon dort sein, aber aus einer Karte von Gertrud Kohler entnehme ich, daß sie viel Familienbesuch erwarteten, von dem es erst hieß, er wäre bereits verreist. So fahre ich lieber erst morgen hin. - - Einige Sommerfrische habe ich mir geleistet bei dem wirklich schönen Wetter. Vorige Woche mit Adele u. Aenne den Kümmelbecher, diesen Mittwoch mit Rösel gegen Abend nach Klein-Gemünd, Abendbrot im Schwanen. Heut habe ich 2 alte Dämchen,
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| denen es nicht gut geht, mitgenommen auf die Stiftsmühle. Das war sehr hübsch und lohnend. -
Zu Mittag war ich heut in einem neu eröffneten Gasthaus in meiner Nähe. Der Wirt war Oberkellner im Schloßhotel und vermietet auch Zimmer. Es ist alles sehr nett u. sauber dort, das Essen war gut.
- Von Lili Scheibe bekam ich einen Zeitungsausschnitt über den Vortrag von Louvaris in Jena. Man sprach da von einem Goethe-Buch des Mannes. Ist das nicht die Übersetzung Deiner Aufsätze??
Und ich bin so müde, daß ich auf der Stelle einschlafen möchte.Und je weniger ich gehe, desto schwerer sind mir die Füße. Das macht wohl die Hitze; obgleich dabei immer ein kühler Wind geht.
Ich grüße Dich und Susanne. Hoffentlich könnt Ihr auch ein wenig Freiheit genießen. Morgen werden Dir sicher die Ohren klingen!
Immer
Deine Käthe.