Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. Juli 1938 (Heidelberg)


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Heidelberg. 31. Juli 1938.
Mein geliebtes Herz!
Heute hatte ich vergeblich auf eine Nachricht von Dir gehofft. Aber ich habe ja auch keine verdient, denn der übliche Sonntagsbrief wurde nicht geschrieben. Das geht wohl leicht so, wenn man ungeduldig auf ein Wiedersehen wartet, daß man nicht schreibefreudig ist. - Zudem war ich ja bis Donnerstag in Dielbach, und in dem lebhaften Haus ist immer Betrieb. Ich wollte natürlich auch möglichst das schöne Wetter im Freien ausnützen. - Wie immer war es dort sehr wohltuend. Es ist mir besonders erfeulich, daß die berufliche Stellung sich ganz angenehm gestaltet, wohl vermöge der ruhigen Überlegenheit von Otto Kohler. Vorläufig hat er es auch viel leichter gehabt, als in Schönbrunn, da die vielen Ehrenämter fortfielen. Zum Winter wird das aber dann anders. Die jüngste Tochter ist ein sehr energisches und verwöhntes Persönchen, sehr lebhaft und ständig unternehmend. Ich hatte den ehrenvollen Auftrag, sie vormittags zu hüten und hatte viel Freude daran, wenn es auch rechtschaffen müde macht. - Mehrere Tage war auch noch andrer Besuch da, alles Leute, mit denen man in gutem Einvernehmen war. Prinzipiell Neues erfuhr man dabei nicht. Auch der Kartoffelkäfer ist in die täglichen Sorgen eingereiht. Die Schulkinder suchen die Felder ab und man ist froh, wenn es ohne Resultat
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| verläuft. In der Umgegend hat man schon mehrfach Tiere gefunden.
Nach der herrlichen Luft dort oben wird es mir im heißen Heidelberg recht schwül. Aber das ist ja die normale Stimmung jetzt. Ich will nur froh sein, wenn ich Euch erst in der Sommerfrische, in gehöriger Distanz von allem Bedrückenden weiß. Habt Ihr dann Aussicht auf ein Unterkommen? Hoffentlich verträgst Du die hohe Luft, dann kann es eine große Erholung werden. Die Landschaft im Engadin ist bezaubernd und es gibt viel Möglichkeiten zum Wandern ohne große Steigung. Sei doch nur ja nicht erpicht auf Rekordleistungen! Hoffentlich hält das gute Wetter noch weiter an. -
Der Umgang mit Adele ist jetzt immer recht schwierig. Sie hat ihrem tüchtigen, aber unhöflichen Dienstmädchen, die 10 Jahre bei ihr war, gekündigt und ich fürchte, daß eine andere auch nicht dauernd aushalten wird. Es ist ja sehr viel, was sie bedrückt und sie macht sich noch unnötige Sorgen dazu. Ich finde, daß sie zusehends abnimmt. Dagegen ist der Vorstand in relativ guter Verfassung. Sie ist in dem Heim offenbar ganz an der rechten Stelle.
Bei Familie D., die ich gestern aufsuchte, hören die Schwierigkeiten nicht auf. Der Sohn hat zwar Anweisung, zum 15. die neue Stellung in Norddeutschland anzutreten, aber die Schwierigkeiten mit der Partei sind von neuem aufgelebt.
Draußen, hinter dem Laden, zeigt das Thermometer 31° R, da wirst Du begreifen, daß ich völlig apathisch bin. Ich sehne mich sehr nach einigen Tagen wirklichen Lebens.
Grüße Susanne und nimm selbst viel innige grüße und gute Wünsche von
Deiner
Käthe.

[li. Rand] Otto Kohler war auch sehr entzückt von Deinem Japanvortrag. - Von Hermann hörte ich noch nichts.
[li. Rand S. 1] Vor meinen Fenstern glühen die Blumenkästen voll leuchtender Kapuzinerkresse. Nach langem Warten sind sie endlich sehr schön aufgeblüht.