Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2. August 1938 (Heidelberg)


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Heidelberg. 2. Aug. 1938.
Mein geliebtes Herz!
Es tut mir sehr leid, daß ich so nachlässig war, Deinen lieben großen Brief nicht zu erwähnen. Das kam wohl, weil er sich mit meinem gekreuzt hatte und als ich dann Ende der Woche vor meiner Abreise nach Dielbach schrieb, glaubte ich, schon im vorigen Brief dafür gedankt zu haben. Alles, was Du schriebst, habe ich wohl im Sinn und was Eure Reisepläne betrifft, so waren sie ja schon länger immer wieder aufgetaucht, so daß ich nur in Geduld - oder auch mit Ungeduld! - auf bestimmtere Angaben wartete. Das Nächste war mir Eure Reise und da habe ich nie erfahren können, ob Ihr Devisen habt, ob Ihr Euch nach Unterkommen umgesehen habt etc.? - Und dann auch Dein Gedanke: "irgendwo im Schwarzwald", das ist doch noch kein bestimmter Plan, mit dem man sich einrichten kann. Wann - wo - wie hast Du Dir das ungefähr gedacht? Ich warte sehnsüchtig darauf, und es ist mir alles recht; es gäbe ja auch nichts, was mich hindern könnte, wenn Du nur eine Zeit des Zusammenseins in Aussicht stellst; aber Du gibst mir ja keine Daten, mit denen ich mich ungefähr einrichten könnte! Wie lange seid Ihr in der Schweiz?
Gestern nun, während Gertrud Kohler mit Ursel, der Ältesten, bei mir war kam Dein Paket, das mit Freude empfangen, gleich mit Ungeduld nach einem Briefe untersucht wurde. Ich bin nur froh, daß heut Deine liebe Karte mich wenigstens darüber beruhigt, daß kein Kranksein Dich am Schreiben hinderte, sondern nur die Müdigkeit, die ja nun endlich
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| durch eine Zeit der Erholung bekämpft werden soll. Habe für alles Einzelne, was Du mir schickst, innigen Dank. Viel gelesen habe ich noch nicht, denn bei der großen Hitze bin ich sehr schlapp. Aber die Schrift von Litt ist ja geradezu wie die Fortsetzung dessen, was mich beschäftigte, angeregt durch Winnig. Und die Briefe lieber Menschen an Dich sind mir eine persönliche Freude. - Aber meine Lesestunde, abends im Bett, fällt jetzt weg, weil ich der Schnaken wegen bei offnen Fenstern kein Licht brennen kann. So muß ich mich vorläufig an die Vorfreude halten, denn am Tag ist immer so mancherlei nötige Arbeit. - Ich habe mir heute überlegt: im Winter sage ich immer, ich sei müde von der Kälte, eine Murmeltiernatur. Aber jetzt habe ich genau dasselbe Schlafbedürfnis. Nach fünf Stunden leichter Beschäftigung bin ich todmüde. Und da schiebe ich selbst die lockendste Lektüre bei Seite, um erst zu schlafen!
Mein Lieber, denke doch ja nicht, daß ich Deine lieben großen Brief nur so als Selbstverständlichkeit hingenommen hätte. Ich bin Dir für all die lieben, eingehenden Mitteilungen immer bewußt und ausdrücklich von ganzem Herzen dankbar. Aber ich war wohl durch die Hitze und durch die allgemeine Erschöpfung gedankenlos als ich schrieb. -
Adresse vom Vorstand ist: Kronprinzenstr. 7. Landfriedstift. und von Prof. Bolza; Freiburg i./B. Luisenstr. 3. -
Sobald Ihr festen Wohnsitz gefunden habt, laß michs wissen. Wie sehr wünsche ich, daß Dir die herrliche Natur da oben wohltun möge, man ist wie beflügelt in dieser Luft. Ihr werdet wohl über Stuttgart-Immendingen fahren? Sollte Eur Zug über hier oder Mannheim gehen, so wäre ich zu jeder Tages- oder Nachtzeit gern an der Bahn! -
Mit vielen herzlichen Grüßen und Wünschen
Deine Käthe.