Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Mai 1939 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 26. Mai 1939
Mein innig Geliebtes!
Dies ist nur ein Gruß zu Pfingsten. Ich kann nichts Rechtes schreiben, weil ich heute Abend zu müde bin und vor der Abreise nach Weimar (Hôtel Kaiserin Auguste) morgen Mittag viel zu erledigen ist. Ich habe heute Deinen lieben Brief mit dankbarer Freude erhalten. Für Weimar ist nicht viel zu erhoffen. Deetjen, der eine Hauptrolle spielen sollte, ist vor wenigen Tagen gestorben. Es wäre gut von Dir, wenn Du in Erinnerung an unsren Besuch im Hause Belvederer-Allee an die Witwe ein Wort der Teilnahme richtetest. Am 1. Pfingstfeiertag wollen wir, wenn es nicht zu kalt ist, nach Berka. Ich brauchte eine Entlastung von Kopf u. Seele. Aber wo ist sie zu finden?
In der vorigen Woche ist so viel ausgefallen, daß ich 6 freie Tage hatte. 5 Tage vor Pfingsten wurde bekannt, daß es doch Pfingstferien gibt, und zwar bis zum 6. Juni.
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| Das Seminar (Goethe), das noch garnicht in Gang gekommen ist, findet also nur alle 14 Tage statt und geht entsprechend lahm. Kant in solider Form zieht natürlich keine neuen Hörer an. - Die 8 Preisarbeiten + 2 Dissertationen habe ich geschafft. Aber am "Betriebsausflug" der Akademie werde ich nicht teilnehmen können, weil ich auch einmal Vorlesungen halten muß.
Ich habe in der hiesigen Goethe-Gesellschaft bei der Hauptversammlung einen kl. Vortrag über "Die sittliche Astrologie der Makarie" gehalten. Zum Essen waren 40 Leute anwesend, und in diesem Rahmen ging es ganz gut. Alle Leute sind aber "irgendwie absorbiert" Es lastet etwas. In 14 Tagen werden wir die Mittwochsgesellschaft bei Sauerbruchs "neuer Frau" halten. Ist nicht überall "Bruch."
Damit Du doch etwas zu lesen zu Pfingsten hast, sende ich Dir anbei u. R. Anderls Brief. Es ist aber inzwischen ein Brief von Felicitas gekommen, den man hinzunehmen muß. Ich sehe noch nicht klar. Ist nicht überall Bruch?
Da es nun plötzlich Ferien gibt, machen wir vielleicht den Ausflug der GG. nach - Ilmenau!! <re. Rand> doch mit und bleiben am 1.VI. einige Stunden bei Litts in Leipzig. Am gleichen Tage kommt die neue "Ida". Susanne kocht jetzt Spargel u. Würstchen
<li. Rand> Ich müßte u. möchte mal wieder recht ausführlich schreiben. Aber man fürchtet sich beinahe davor.
Herzliche Grüße von
der Köchin u. Deinem
Eduard.