Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. Juli 1939 (Berlin, Postkarte)


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Sonnabend, 1. Juli 39. 12 Uhr.
M. L! Deine liebe Sendung ist am 28. Juni 1½ Uhr mit der Packetpost eingetroffen. Dies hätte an sich noch Freude genug ausgelöst; aber es hatte sich doch eine begreifliche Unruhe eingestellt, in Verbindung mit der Nachricht von dem Gesichtszucken. Ich freue mich über den Hafis, obwohl noch keine ruhige Minute dafür gekommen ist. Es ist jetzt auffallend viel Arbeit nämlich. Weißt Du eigentlich etwas von dem Gg. Daumer? Das ist ein sehr merkwürdiger Mensch. Du mußt einmal in einem Lexikon über ihn nachlesen. Der "Hutten" ist in Susannes Besitz u. brauchte Dir also nicht entzogen zu werden. Ich nehme ihn nur als "Leihgabe". Für beides herzlichen Dank. Die Rose v. Dresden ist ein altes niedliches Produkt. Ähnliches findet sich auch noch im Verticeau (oder wie?) meiner Mutter. - Der Reiseplan ist ganz neu, erst durch den Wurzelzieher als technisch möglich mitgeteilt u. dann von uns sofort ergriffen. - Der Mittwoch mit 2 japanischen und 2 deutschen Besuchen war angreifend. Leider war der Abend mit den Potsdamer Verwandten sehr langweilig. Ich habe jetzt wieder viel Kontakt
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| mit Studenten, die mir ungefragt allerlei sagen. Anfragen wegen Beiträgen zu Zeitschriften u. Vorträgen häufen sich wieder. Ich habe so viel "Kleines" um die Ohren, daß ich bei aller Anspannung nicht durchkomme. Heut in einer Woche soll noch ein Studententee sein. Das hat sich doch immer als ein gutes Bindemittel erwiesen. Aber über alledem, komme ich mit meinem Miniaturaufsatz über Fröbel nur im Schneckentempo weiter. Es ist hier über Sonnabend u. Sonntag immer schlechtes Wetter. Zwischendurch schwül u. angreifend.
Nochmals herzlichen Dank u. treueste Grüße
<li. Rand>
Dein Eduard.