Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. August 1939 (Schuls/Hotel Post, Postkarte)


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16.VIII. (Wundts Geburtstag) 39.  M. L! Eigentlich wollte ich diese kostbare Karte bewahren, bis Deine Stellungnahme da wäre. Aber das geht natürlich nicht so schnell. Nur die Zeit hier fließt schnell. Ort u. Umstände sind nach wie vor günstig; das Wetter durchaus zufriedenstellend. Aber es zeigt sich, daß neben den Bädern höchstens Spaziergänge gemacht werden können. Gestern, bei schönster Sonne, haben wir es mit 1 Tagestour versucht. Wir fuhren mit der Post nach dem Bergdorf Sent, gingen von dort langsam in 2 Stunden herrl. Weg nach Val Sinestra, dann in 1 ½ St. nach Sent zurück, u. nach längerer Pause noch 1 ¼ Std bis Schuls, fast alles nur eben oder abwärts. Heute nahm ich das 5. Bad u. bin danach so erschöpft, daß selbst das bißchen Schreiben Mühe macht. Also l'un ou l'autre. Susanne mit ihrer Gottlob unvergleichlichen Gesundheit sieht das nicht so recht ein. Sie läuft ja außerdem jeden Morgen vor 8 zum Trinken. Mein Herz reagiert auf die Bäder stark, was ja hoffentlich auch ihre Wirkung für später bezeugt. - Natürlich ist es ein bißchen langweilig so, ohne jeden Verkehr seit 10 Tagen. Sus. ist heut Nachm. allein fort. Ich erledige Schreibsachen, ohne recht vorwärtszukommen. - Heute bei Sonne auffallende Kälte.
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Wir hoffen auf eine Nachricht von Dir. Bis 24. früh bleiben wir mindestens, wie Du weißt. Das allg. Bild scheint durch den Mann, den ich persönlich kenne, ein wenig verändert. Aber wie?
Sonst ist garnichts mitzuteilen als herzliche Wünsche, Grüße u. das Gefühl der Vorfreude aufs Wiedersehen.
Stets Dein
Eduard.