Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. August 1939 (Berlin/Dahlem)


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31.VIII.39.
Meine Liebe
Vorgestern erhielt ich über die Ruderregatta folgenden Bericht, der vielleicht ungenau ist, aber Dich interessieren könnte: der Verein Moos hat alle Boote zusammen, womit man in Zell nicht gerechnet hatte. Die von Manebach wollen nicht mitmachen, sondern unter Umständen das Ganze sogar stören. Die Konstanten machen nur zum Schein mit. Die Fahrt nach Wolmar soll vor einer Woche gestoppt sein. Das bringt nun aber unerwünschte Stauungen. Man begreift, daß die Stimmung in Zell schlecht, ja deprimiert ist. Die Basilen haben zweimal zu vermitteln versucht, sind aber auch sehr verstimmt gegen die Zeller, denen man die Schuld am Wirrwarr zuschreibt.
Das alles hat vielleicht heute schon kein Interesse mehr für Dich und uns. Also etwas anderes.
Wir sprachen Frankes, die uns einen sehr gealterten Eindruck machten. Sie leben zu sehr zurückgezogen. Wenke
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| lebhaft mitlebend, Günther im Sinne seines Kreises orientiert. Annemarie Heß sieht alles von ihrer Insel aus noch anders.
Es ist traurig, wie wenig die Leute hier den Segen der Nahrungsmittelkarten verstehen, obwohl man zugeben muß, daß beim ersten Ankurbeln nicht alles da sein kann, was zugeteilt und vorhanden ist.
Das Bild der Verbrüderung von Ribbentropp und Stalin erweckt berechtigte Hoffnungen auf eine günstige Wendung und wird besonders in Arbeiterkreisen sehr beifällig aufgenommen. Und in der Tat: dies war das einzige, was uns in der schwierigen Situation helfen konnte. Die Rosenbergschen Gedankengänge muß man eben als überholt aufgeben.
In Saarbrücken ist eine Situation entstanden, die die allermeisten zur Abreise veranlaßt hat. Ich halte das für eine bedauerliche Nervenschwäche, da doch gerade dort intensiv vorgesorgt ist.
Zur Arbeit kommt man nicht viel, weil immer noch schwüles Wetter ist. Bald mehr. Dein E.