Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. September 1939 (Berlin)


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3. September 39.
Mein innig Geliebtes!
Es ist gekommen, wie es kommen mußte. Ich weiß nicht, ob Dich diese Zeilen noch in Heidelberg erreichen (wie auch die 100 M, die ich vorsorglich als Reisegeld geschickt habe.) Eigentlich denke ich, Du wärest schon bis Frankfurt zu Weises gefahren, obwohl ich auch begreife, daß Du Dich aus der zuverlässigen nachbarlichen Gemeinschaft nicht so ganz leicht lösest.
Es gibt jetzt 2 Möglichkeiten: entweder, Du trittst die Reise mit allen Beschwerlichkeiten auf eigne Faust an (Frankfurt, Kassel, ev. Halle.); oder Du machst den "Transport" mit, wohin er zunächst geht. Von dem Endpunkte des Transportes strebst Du zu mir oder teilst mir mit, wo Du bist, damit ich Dich loseise. Wir sind zwar hier mit food supply recht schlecht dran, aber besser mit dem Herzen.
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| Ich bin heute früh "einberufen" worden zu der Güntherstelle, die aber keinen Sonntagsdienst hatte. Morgen beginnt für mich vermutlich regelmäßiger Dienst. Das Seminar fand ich heute früh schon für andere Zwecke beschlagnahmt.
Wir müssen damit rechnen, daß auch noch andere zu uns kommen, z. B. Conrads aus Saarbrücken. Alle erwarten wir mit offenen Armen und heißem Herzen. Wer aber in ländliche Gegend, möglichst abgeschieden, gebracht wird und genug Geld hat, ist vermutlich noch besser dran. Darüber erwarte ich Deine Nachricht.
Wir waren heut zum 3. Male im Honigland, und es scheint, daß die Geschichte von der Ruderregatta doch gestimmt hat.
Ohne viele Gefühlsmomente: sei tapfer, fahre glücklich, verbleibe im Sinne - wenn es nötig wird - unserer Worte nach der Reichenau. Es war heut ein herrlicher Tag.
Wir beide erwarten Dich.
Innigst Dein E.

[re. Rand] Eben (4.IX.) früh kommt Dein lieber Brief vom erinnerungsreichen 31.VIII. Er ist im Technischen schon hier beantwortet. Fahre mit Boutmys, solange private Fahrt noch möglich ist. Innige Grüße E.