Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. September 1939 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 9. Sept. 39.
Mein innig Geliebtes!
Dein lieber Brief vom 6. traf am 8. hier ein. Ich verstehe Deine Entscheidung und billige sie. Aber ich möchte empfehlen, mit Weises dahin Verabredung zu treffen, daß sie Dich im Notfall vorübergehend als erste Station aufnehmen können. Deine Kleidersendung ist bereits vor einiger Zeit eingetroffen. Für unnötig halte ich alle Vorsichtsmaßnahmen dieser und anderer Art nicht.
Ich habe nun schon eine Woche Dienst getan. Im Anfang war es recht anstrengend, besonders der eine Tag von 8 - ½ 5 im Dienstgebäude. Nun sollen plötzlich am 11. die Vorlesungen anfangen, obwohl das objektiv - technisch und persönlich so schnell garnicht geht. Ich habe ja den
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| Freibrief, es nicht zu tun, will aber doch Mi. u. So. je 2 Stunden lesen, zumal es auch der Generalleutnant so für richtig hält. Das wird eine angreifende Zweiteilung geben. Die Erfahrung der letzten Nacht hat gelehrt, daß man nicht mit regelmäßigem Schlaf rechnen kann. Ich bin aber unter sehr vornehm Denkenden, angenehmen Leuten und fühle mich in dieser ganzen Atmosphäre sehr wohl. Eine Armbinde kennzeichnet mich als Angehörigen der Wehrmacht.
Heinz ist auch schon eingezogen und schrieb gleich sehr lieb. Ich hoffe ihn, da er nahe ist, einmal zu sehen. In Potsdam ist der eine Sohn mitten drin, bisher keine Nachricht.
Wenke wird Montag wieder kommen; ich hoffe dann, im Seminar Hilfe zu haben, das teilweise für andere Zwecke belegt ist.
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Die meisten Japaner sind abgereist, auch Frl. Takahashi, die noch eine Korrektur für die Akademieabhandlungen machen sollte.
Wir sehen und hören viele Leute. Natürlich alles widersprechend. Technisch ist manches hier schon höchst umständlich. Bei dem herrlichen Herbst muß ich immer an den Mann auf der Terasse des Konzilgebäudes denken.
Susanne wird demnächst als Laienhelferin ausgebildet, was ich für gut halte.
Ich glaube nicht, daß dieser Monat nur 29 Tage hat. Es kommt sehr darauf an, die Nerven zu stählen und sich mit aller inneren Kraft zu wappnen. Mehr kann ich aus begreiflichen Gründen heute nicht schreiben.
Innige Grüße im Geiste zeitloser Gemeinschaft. Auch von Susanne.
Dein getreuester
Eduard.

[Fuß] Soeben abends 7 Uhr Dein l. Brief vom 8.IX.