Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. September 1939 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 17. Sept. 1939.
Mein innig Geliebtes!
Deinen heut erhaltenen lieben Brief beantworte ich sofort, damit wir in Kontakt bleiben. Saarbr. ist 1. Zone, Heidelberg 7., wie mir ein von dort gekommener Student sagte.
Ich habe nun schon 2 Wochen Dienst getan und in den letzten Tagen bei den Fliegerprüfungen dabei gesessen. Mit Wenkes Hilfe habe ich am Freitag das Plato-Seminar (19 Leute) und gestern die Vorlesung "Probleme der Kulturphilosophie [über der Zeile] morphologie" (ca 40-45) begonnen. W. ist aber gestern bereits zu gleicher Funktion wie ich nach Nürnberg einberufen worden. Und mit solchen Zwischenfällen wird es wohl weitergehen. Die neue Lebensweise ist anstrengend. Richtiger Kaffee tut oder täte da gut.
Heute kam die Nachricht, daß die Tante Tilly in Köln mit 85 Jahren gestorben ist. Friede mit Ihr! Es ist
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| so gut auch für sie. Der Prof. v. Wiese in Köln würde gegebenenfalls in Wenkes Wohnung in Erlangen ziehen. - Heut vor 8 Tagen hat uns Hedwig Koch besucht; am Mittwoch waren wir bei den Potsdamern. Das wird wohl der letzte Ausflug der Saison gewesen sein. Abends mache ich ganz früh Schluß, da ich mehrfach um 6 aufstehen muß. Die persönl. Umgebung in m. Dienststelle ist sehr wohltuend.
Emmy hat auch uns geschrieben. Ein langer Brief v. Tomoeda aus ganz anderen Voraussetzungen kam an.
Für die "Erziehung" haben wir: Amtsleiter Prof. Arnhold, General v. Cochenhausen, Ministerialrat Löffler (Stuttgart), Prof. Kroh, ev. Ernst Otto u. Gesandten Stieve. Nun aber fehlt es - am Papier. Das A.A. will 100 Exemplare abnehmen. So denkt man immer an die nichtigen Dinge des Tages; man sollte an anderes denken. Susanne war heute in der Annenkirche, Ersatz für R., soll sehr bedeutend sein. Er mußte zweimal predigen.
Dies sind so kleine Streiflichter. Das große Licht u. die Möglichkeit deutlichen Sehens fehlt. Innigste Grüße von uns beiden.
<re. Rand>
Dein Eduard.

[re. Rand] Wegen der Eltern Conrad haben wir geschrieben.
[li. Rand] Anderl u. Felizitas ausgesöhnt. Zahlung ausgeblieben.