Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. Februar 1939 (Heidelberg)


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Heidelberg. 15.II.39.
Mein geliebtes Herz!
Ich weiß zwar nicht, ob mein Vorschlag, daß Du es einmal wieder mit Heidelberg versuchen möchtest, Gnade vor Deinen Augen gefunden hat. Auf alle Fälle aber will ich ihn noch durch einige Einzelangaben erläutern, damit Du möglichst genau Bescheid weißt. Also, ich habe mir bei Gelegenheit eines Mittagessens die Logiermöglichkeit im "Bergfrieden" zeigen lassen. Es gibt überhaupt nur 3 Zimmer zum Vermieten, und sie sind sauber, hell, neu ausgestattet, aber ohne fließend Wasser und nur mit Ofenheizung. Das war ja nun in Hattenheim auch der Fall. - Eine
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| wirkliche Enttäuschung aber ist es mir, daß dasjenige, was ich für einen großen schönen Balkon hielt, nur ein durch Mauerrand verkleidetes schräges Blechdach ist, das noch dazu den Blick auf den Vordergrund verdeckt. Die Reihe der Berge aber ist natürlich frei. Kurz, die Sache ist ästhetisch nicht so reizvoll wie ich dachte, aber man ist sicher gut versorgt bei den sehr ordentlichen, gefälligen Wirtsleuten, die einen zuverlässigen Eindruck machen. Ich kenne sie ja nun schon seit Jahr und Tag. - Und meine Wohnung würde durch eine kleine Umstellung von Möbeln mehr Bewegungsfreiheit und sicherlich einen gemütlichen Aufenthalt für Abende und Regenstunden bieten. Also - was meinst Du dazu?? Für heut nur diesen aufklärenden Wisch. Du weißt ja, ich will nicht als
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| Sophist überreden, nur Dir eine verlockende Möglichkeit schildern.
Wir hatten schon ein paar ganz bezaubernde Vorfrühlingstage. Heut ist es wieder mehr bewölkt, aber das Barometer steht ziemlich gut und fest.
Am Sonntag war ich bei dem harmlosen Fastnachtstreiben der Singschule, das durch echte Zusammenstimmung der etwa 1500 Menschen, (zur Hälfte mindestens Kinder) sehr nett wirkte. Chor Orchester und Publikum ulkten zusammen.
Es ist wohl das Niveau, von dem Du mich endlich mal wieder erretten mußt. Denn manchmal meine ich, ich sei im Begriff "Halbsimpel" zu werden. : Den Brief an Dich legte ich auf die Briefwage, überzeugte mich, daß er kein
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| Übergewicht hatte, und klebte dann, mit den Gedanken bereits beim Fortgehen, zwei Marken auf. Ich habe mich nachher recht geärgert. - Wie oft suche ich etwas, was ich irgendwo aufgeräumt habe. Denn alles muß seinen Stammplatz haben in solcher eng besetzten Wohnung und jede Veränderung ist gefährlich. Ich fürchte, Du wirst mit meinem Schwachsinn Geduld haben müssen!
Nun ists noch gerade einen Monat bis zur Mitte März. Wann werden dann die Vorträge vorüber sein?
Ich wünschte herzlich, daß Du von der (hier umgehenden) Grippe verschont geblieben bist. Und ich wünsche Dir, daß die zunehmende Frühlingssonne Dir Herz und Sinn freundlich erwärmen möchte. Viele Grüße - auch an Susanne
von Deiner Käthe.