Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Juni 1939 (Heidelberg)


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Heidelberg. 25. Juni 1939.
Mein geliebtes Herz!
An feierlichen Tagen ist ein Briefbogen aus Wiesbaden der Bote, der dir meine innigsten Grüße bringt. Viel Liebes soll er dir sagen und gute, treue Wünsche. : daß sich alles zum Besten kehre - möchte ich sagen, indem ich über das Dunkel hinblicke, das uns die Zukunft verhüllt. Wir wollen in der Gewißheit unsrer Wertentscheidung freudig "unsrer erkämpften Überzeugung die Treue halten", auch in einem tragischen Konflikt. Und außerdem wollen wir den Duft der Rosen und das Lied der Vögel nicht mißachten! In Ermangelung von frischen Blüten schicke ich dir hier ein Röschen, das jedenfalls von der Hochzeitsreise
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| meiner Eltern stammt und das auch uns liebe Bedeutung hat. Wie fein machte man damals solch kleines Andenken! An den Hafis kam ich wieder durch den Divan von Goethe und Marianne, deren späte Worte mir in letzter Zeit viel im Sinn lagen. Denn auch in mir klangen alte Lieder mit junger Frische nach. - Wenn Du Huttens letzte Tage besitzt, was ich eigentlich annehme, dann schicke ihn mir wieder. Ich liebe ihn so und er war mein Begleiter, als ich Dich im April 1931 auf der Reichenau erwartete. -
Wenn nicht zufällig eine Parade am 27. ist, dann wird der Siebenschläfer für Dich vermutlich recht mit Arbeit ausgefüllt sein. Aber am Abend hast Du dann vielleicht doch ein
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| wenig Zeit, im Hafis zu blättern. Es ist doch eine wundervolle Gelöstheit von aller Erdenschwere darin. -
Von meinem Dasein ist leider nur ganz Irdisches zu berichten. Der wohlgelungene Ausflug nach Schönbrunn war eine rechte Erholung. Die Woche fand dann wieder unter dem Zeichen der Großputzerei, die ich - (sage es nicht weiter) - seit dem Einzug in diese Wohnung immer verschoben hatte. Bald fehlte es am Wetter, bald an der geeigneten Hülfe, bald an der eigenen Kraft. Jetzt ist nun aber mal gründlich durchgegriffen. - Am Freitag hatte ich einen kleinen Kaffee mit Frau Seng und Schoepffers und am Sonnabend hat der Vorstand Frau Franz (geb. Mathy) und Tochter, sowie mich auf den Kümmelbacher eingeladen. Ich fand, daß die Unkosten bei beiden Tagen ziemlich gleich
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| waren, denn im Hause kann man nicht jedem nur ein Stück Kuchen vorsetzen! -
Allerlei Post kam: Ada Weinel meldet eine Enkelin: Renate. - Und von dem jüngeren Bruder Heinrich Eggerts, meinem Vetter Hans, der eine Benary zur Frau hat, kam die Todesanzeige. - Annemarie Boettcher schreib einen sehr netten, ausführlichen Brief. Sie ist jetzt Hilfsreferentin im Luftfahrtministerium in der Nachrichtenstelle der technischen Amtes. Es sei eine sehr schwierige, aber hochinteressante Arbeit. - Meinen alten Damen geht es bei dem so wechselnden Wetter mäßig. Aber selbst Frl. Weber rappelt sich immer wieder raus. - Gestern habe ich mich sehr erfolgreich dem Einkochen von Erdbeeren gewidmet. Kostenpunkt etwa das Doppelte vom vorigen Jahr. Hoffentlich werden sie mir nützlich. Denn mit der Butter ist es immer zweifelhaft. - Merkwürdig ist
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| diese launenhafte Witterung. Nachdem den ganzen Tag der Himmel eine Unzahl kohlschwarzer Wolken über uns fortgeführt hatte, ging gegen Abend ein stiller, eindringlicher Regen nieder. Und dann gab es einen Sonnenuntergang wie damals als wir beim Schiffbauer Beck so in argen Regen kamen und dabei der Himmel zu brennen schien. - Diesen Ausblick in den Abendhimmel und auf die Kette der Pfälzer Berge können sie mir nicht zubauen. Aber sonst wird mir allmälig jedes Stückchen schöne Natur zugedeckt. Also: wenden wir den Blick nach innen - und in die Ferne. Möge er Dich dort bei guter Gesundheit und befriedigender Arbeit finden! Möge
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| Dich viel liebes Gedanken zum 27. erfreuen, und Du auch Zeit haben, mit Susanne eine gemütliche Feierstunde zu halten. Grüße sie herzlich. Wie geht es mit ihrer sozialen Tätigkeit?
Von Herzen Dein gedenkend wie immer
Deine
Käthe.