Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. September 1939 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Sept. 1939.
Mein geliebtes Herz,
nun sind wir mitten im Aufbruch, und auch ich schicke immerhin das beabsichtigte Paket. Es ist keine Zeile für Euch darin, denn ich war naturgemäß in Eile. Jetzt schreibe ich auf der ... unter dem Eindruck des Bahnhofes, wo es von Flüchtlingen wimmelt. Vorläufig scheinen es vor allem Mütter mit Kindern zu sein, lauter Gesichter voll dumpfen Schmerzes. Ihr wißt, was man empfindet in Gedanken an 14 - - Wenn Du noch kein Geld geschickt hast, tue es lieber
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| nicht, oder mache es womöglich rückgängig. Ich habe hier ja genug und wer weiß, ob ich es nicht anderswo nötiger brauche. - Heut allgemeine Verdunkelung, aber der Mond wird wohl nicht mitmachen. Bei Schöpffers habe ich deinen Aufsatz aus der Erziehung Juli-August vorgelesen. Ich bin so froh, daß ich den hier vorfand bei meiner Rückkehr. Ja, es gibt eine Gewißheit im Leben, die einem niemand und nichts nehmen kann! - Habe Dank für Deinen lieben Brief, den ich gestern (31.) nachmittags erhielt. - Wann Du dies erhalten wirst bei dem Übermaß an Postsachen? Ich glaube beinah, man müßte auch schon fahren, wenn man fortwill; aber ich tue mich mit Buttmis zusammen, <li. Rand> die dann nach Thüringen den gleichen Weg fahren
<Fuß S. 1>
Gott schütze Euch!
Deine Käthe.