Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. September 1939 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. Sept. 39.
Mein geliebtes Herz!
Gestern kam Deine liebe Geldsendung für die ich Dir sehr herzlich danke. Aber, bitte, schicke nichts mehr, es tut nicht not, denn Du kennst ja mein Sparkassenguthaben und ich sorgte auch immer für einen Bestand im Hause. -
Wie Du inzwischen wohl gemerkt hast, ist eine eilige Abreise hier nicht notwendig. Auch in Orten weiter südlich ist der Abtransport eingestellt. Hoffen wir also, daß dies von Dauer ist. - Anders sieht es wohl mit Conrads. -
Du wirst mich verstehen, wie Du es immer tatest, wenn ich die Dinge an mich herankommen lasse. Du schriebst
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| neulich: "laß uns hinnehmen, was uns bestimmt ist." In diesem Gefühl lebe ich und finde ich Ruhe. Und der Sinn der Reichenau leuchtet über allem.
Grüße Susanne sehr herzlich. Wie mag es mit allen in ihrer Familie stehen? Hermann schreibt, daß Stolp ungefährdet ist. Er tut Dienst als Meldeoffizier, Heinz ist in Döberitz zur Ausbildung (Lehrgang II Gruppe 2, I M.-G. Komp.) Dieter erwartet Einberufung. - Otto Kohler ist schon ausgerückt. Er hat seine Familie noch einmal einen Nachmittag lang. - Von Bertha von Anrooy bekam ich eine Grußkarte, von Ruges noch nichts. - Mein Husten ist besser, vor allem ist es beruhigend ein wirksames Mittel gegen den Krampf zu haben. Die Versorgung hier ist gut. Ich esse täglich im Gasthaus, dann brauche ich sonst nicht viel.
Mit treuen Wünschen für Euer Ergehen und innigen Grüßen
Deine Käthe.

[li. Rand] Großartig sind die Erfolge unsrer Truppen. Möchte es zu einer <li. Rand S. 1> raschen, guten Entscheidung führen!