Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. September 1939 (Heidelberg)


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Heidelberg. 15. Sept. 1939.
Mein geliebtes Herz.
Die Tage gehen rasch dahin, als flögen sie davon. Und ihr ungeheurer Inhalt rauscht an uns vorüber, nur ahnend wahrgenommen. - Es ist gewiß gut, daß Du an bestimmter Stelle notwendige Arbeit tun kannst und so der Gemeinsamkeit aktiv verbunden bist. Wie mag sich die Zweiteilung in der Praxis auswirken? Hoffentlich findest Du wie immer eine geeignete Technik, die verschiedenen Pflichten zweckmäßig zu vereinen.
Auch hier wird viel berichtet und jeder weiß etwas Anderes. Tatsache ist, daß alles recht geordnet zu gehen scheint, daß wir nur einmal nachts Alarm hatten und daß kein Mangel an Nahrung
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| ist, wenn auch mal das Eine oder Andere gerade knapp ist. Vor allem ist ein Obstreichtum da wie selten. Ich muß immer an Ravensburg denken, wo ich zum erstenmal eine solche Üppigkeit sah. Und dann denke ich auch an den Mann auf der Terasse.
Der Vorstand ist der Zeit gemäß begeistert, sonst komme ich weniger mit diesen Leuten zusammen. Du wirst vielleicht Heinz mal sehen, bei Rösel war 4 Tage ihr Sohn, der jetzt beim Regiment in Füssen eintritt. - Von Emmy hatte ich eine Karte, der Franzel ist zu Haus. Auch sonst bekommt man Grüße freundschaftlichen Gedenkens.
Und so ist auch dies nur ein Gruß der Liebe und innigen Verbundenheit. (Die Eltern Conrad aus Saarbrücken sind hier beim Sohn) Grüße Susanne sehr herzlich. Das Haushalten ist gewiß jetzt sehr schwierig.
Immer
Deine Käthe.