Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. September 1939 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22. Sept. 39.
Mein geliebtes Herz!
Dir und Susanne den gewohnten Sonntagsgruß! Und Dir noch besonders Dank für den lieben Brief vom 17. Sept. Ich bin erstaunt, daß sich doch so viele Studenten zusammengefunden haben. Allerdings höre ich auch hier, daß Leute nach Berlin gehen, die eigentlich hier studieren wollten. Alles ist hier auf Lazarettbetrieb gerichtet, aber bisher kam nichts bis zu uns. Wir warten - wie das ja allgemein ist. Und so bringe ich meine Tage zu "wie ein Geschwätz", denn sie verzetteln sich mit lauter Kleinigkeiten. Da muß man anstehen für die Lebensmittelkarten, muß einkaufen, was gerade fällig ist u.s.w. Für die
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| gegenwärtige Situation ist die Lage meiner Wohnung nicht gerade günstig. Die Läden im Dorf sind recht weit fort; und doch kauft man natürlich jetzt richtiger an Ort und Stelle. - Mit Dürres ist die Beziehung recht gut, aber an Frau B. habe ich menschlich mehr. - Daß Du schon um 6 aufstehen mußt, bedaure ich ehrlich. Aber man stellt sich wohl allmälig etwas um, da die frühe Verdunkelung abends doch sehr behindert. Wir haben wieder gelernt, ruhig zu schlafen und ich habe überhaupt ein sehr großes Schlafbedürfnis. Den Husten bin ich noch immer nicht los, wenn er auch erträglich ist. Im übrigen besuche ich die alten Damen, Frl. Weber 2x, den Vorstand noch öfters, aber kurz, und die anderen seltener. Die beiden ersten haben immer Aufträge. - - So lebt man im Alltag, den man vor einem dunklen Vorhang noch für eine Weile deutlich sieht. Ich empfinde es als eine Wohltat, daß Du Arbeit hast, die weiter reicht und daß auch die Vergangenheit bewahrt wird. (s. Erziehung.) - Innigste Grüße im zeitlosen Sinne!
Deine Käthe.

[li. Rand] Vorhin eine Feldpostkarte von Otto Kohler. - "nun geht es - " -
[li. Rand S. 1] Ich habe vor, noch 2 Pakete mit Wäsche zu schicken, obgleich ich ja Berlin auch für sicherer halte! Hier sagt man von uns, wir wären 3. Zone.