Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Januar 1940 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 6.I.40.
früh 9 Uhr.
Mein innig Geliebtes!
Ich bin natürlich sehr unglücklich, daß ich Dir eine so schädliche Aufregung verursacht habe. Die beschämteste Entschuldigung kann das nicht rückgängig machen. Wer mir finanzgeschäftliche Dinge anvertraut,ist ohnehin schlechter versorgt als durch sich selbst.Ich muß wohl an dem Tage, als ich auf der Bank war, schon etwas Fieberdunst im Gehirn gehabt haben (wegen dessen ich am nächsten Tage im Bett blieb.) Aber ich hatte nur geschrieben: Rhein. Hypothekenbank fehlt. Das sind 33½ M im Jahr Zinsen. Wir wären damit noch fertig geworden. Wie mein Fehler unverzeihlich war, so ist deine (allzugroße) Aufregung leider ein Zeichen, daß es mit Deinen Nerven wenig gut steht. Ich sende demnächst die Dir zustehenden Zinsen und bitte Dich, daraufhin schon jetzt in der Apotheke etwas Stärkendes zu kaufen, das Dir gut tut und Dich
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| beruhigt.
Wir haben hier andauernd morgens 10-12°R Kälte. Da war es dann eine große Freude, daß wir 2 Tage vor dem Ende des Vorrats ca 53 Zentner Koks bekamen. Damit reichen wir, wenn es etwas milder wird, bis in den März hinein. - Ich habe mit den immer noch kommenden Neujahrsgrüßen aus allen Ländern (es sind jetzt ca 200) viel Arbeit gehabt, bin aber einigermaßen durch. Meine Erkältung ist sehr hartnäckig. Die Tage sonst waren ziemlich monoton. Wir hatten Besuch von Frl. Koch und von den Nichten. Morgen kommt der Bruder Conrad mit Frau - er tut als Marineoberleutnant in Swinemünde Dienst - nach Potsdam. Wir werden dann 9 Personen Familie sein. Schrecklich.
Kannst Du mir verzeihen? Ich kann nicht einmal versprechen, daß Ähnliches nicht wieder vorkommt. Wir sind jetzt wie der Prinzregent und der Waldhüter.
Herzlichste Grüße
Dein sehr betrübter
Eduard.