Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Februar 1940 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 22.II.40.
Mein innig Geliebtes!
Wenn ich heute schon diesen kurzen Geburtstagsgruß absende, so wird er doch hoffentlich rechtzeitig kommen. Vergebens versuche ich, meine Festwünsche in Worte zu fassen. Mehr als je stehen wir unter der Wucht des Schicksals. Möge es von der gütigen Hand der Vorsehung geführt sein, uns nicht mehr auferlegen, als was wir tragen können und uns das Liebste erhalten!
Wir haben am Montag überraschend Kohlen erhalten; 10 Ctr; das reicht bei äußerster Sparsamkeit bis etwa zum 2. März. Im Seminar hat es seit 3 Tagen aufgehört. Dorotheenstr. 6. wird es wohl auch bald so weit sein.
Am Sonntag, als wir Honigs erwarteten, erschien plötzlich Louvaris. Wir hatten ihn am Montag sogar zu Mittag, zu einem Althöfer Huhn. Man hört
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| bei solcher Gelegenheit allerlei. Rosig klang es nicht. Hier sind noch morgens -5 - 6°R. Wenn das Tauwetter beginnt, wird es hübsch werden. Denn nirgends ist der Schnee abgefahren worden. In einer Sache, die mich 1919/20 sehr beschäftigte, bin ich privatissime von maßgebender Stelle zu einer Äußerung aufgefordert worden. Die damals üppig blühenden Forderungen haben zu einem völligen Schiffbruch geführt. - Dienstags war ich bei Meinecke, der sehr lebhaft war.
Ich muß Dir im Zshg mit der bevorstehenden Steuererklärung eine Unbequemlichkeit bereiten. Gehe doch bitte auf Dein Finanzamt und frage unter Hinweis auf Deine Gesamtverhältnisse, ob die 500 M. Meininger (Kurswert 495 M.) schenkungssteuerpflichtig sind. Es kann ja die Welt nicht kosten. Gestern hatte ich einen Steuerberater hier, weil ich das letzte Mal zu sehr geschädigt worden bin.
Susanne sendet Dir auch die wärmsten Glückwünsche. Verlebe den Sonntag in angenehmer Gesellschaft und gedenke mein, wie ich lebhaft an Dich denken werde.
Innigst Dein Eduard.